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Herzoperationen

Immer mehr Eingriffe bei Hochbetagten

Die Zahl der Herzoperationen bei betagten Patienten über 80 Jahren ist seit dem Jahr 2000 deutlich gestiegen, belegt der Deutsche Herzbericht 2018, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Und zwar so stark, dass sich dieser Zuwachs allein mit der alternden Bevölkerung nicht erklären lässt.
dpa
07.02.2019
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Die Zahlen sind im neuen Bericht dokumentiert. Gab es im Jahr 2000 in Deutschland rund 4225 Herz-Operationen bei Senioren der Generation 80 Plus, waren es nach der jüngsten Zahl für 2017 bereits 16.242. Kritiker fragen nun, ob Krankenhäuser Geld mit Operationen verdienen, die alte Menschen vielleicht nicht brauchen. Professor Dr. Dietrich Andresen, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, kann solche Fragen verstehen. Es sei etwas dran, dass in Deutschland jenseits der 80 zum Beispiel mehr Schrittmacher und Stents eingesetzt würden als in anderen europäischen Ländern. »Es wird aber nicht zu viel operiert«, betont er.

Einen wesentlichen Effekt auf die steigenden Operationszahlen im Alter habe die Narkose, erläutert Herzmediziner Andresen. Sie könne heute deutlich schonender ablaufen als vor 20 Jahren. Ein 80-Jähriger sei damit weniger gefährdet, durch die Beatmung später Lungen- oder Nierenschäden zu riskieren. Dazu kämen neue OP-Methoden. »Das heißt, der Brustkorb muss nicht mehr geöffnet werden.« Dr. Wolfgang Harringer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, kann sich noch gut an früher erinnern. »Als ich Ende der 80er-Jahre als Herzchirurg anfing, gab es bei Patienten über 70 keine Operationen am Herzen. Das war meist viel zu riskant«, berichtet er. Herzklappenersatz oder Reparatur – das seien früher Operationen von drei bis vier Stunden am offenen Herzen gewesen, dazu Narkose und Nachsorge auf der Intensivstation. Heute dauere das rund 60 Minuten. Die OP werde über die Leistenarterie oder -vene ausgeführt. Eine Vollnarkose sei nur noch auf Wunsch nötig. Mit alle diesen Vorteilen sei eine kürzere Erholungsphase von einer Operation verbunden und eine Verbesserung der Lebensqualität, resümiert Harringer. Er schränkt aber ein, dass es noch keine klaren Langzeitergebnisse gebe.

Darüber hinaus ist die heutige Generation der Über-80-Jährigen für Harringer eine völlig andere als früher. »Die Menschen sind durch die Bank fitter und aktiver«, resümiert er. »Viele haben einen vernünftigen Lebensstil und können sich selbst versorgen.« Wenn alte Patienten eine Operation wirklich wollten, seien sie oft bessere Kandidaten als so mancher Jüngere, der rauche sowie Diabetes und Übergewicht habe. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland ein Sorgenkind. Selbst wenn die Sterblichkeit zuletzt leicht sank, führen sie die Top Ten der Todesursachenstatistik an. Mit mehr als 338.000 Sterbefällen pro Jahr liegen sie vor Krebserkrankungen.

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