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Apothekerverband Nordrhein
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Immer gesprächsbereit bleiben

Auf der 111. Mitgliederversammlung des Apothekerverbandes Nordrhein gestern in Düsseldorf beschrieb der ABDA-Präsident und Vorsitzende des Apothekerverbandes (AVNR), Thomas Preis, die aktuell immer schwieriger werdende  Lage der Apotheker. Fast ein Jahr nach Abschluss des Koalitionsvertrages warten die Apotheker immer noch auf  das versprochene Fixum von 9,50 Euro, bisher vergeblich. 
AutorKerstin Pohl
Datum 23.04.2026  13:15 Uhr

Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR) sowie ABDA-Präsident, eröffnete die 111. Mitgliederversammlung in Düsseldorf mit einer Beschreibung der Lage der Apotheker. »Die Situation war noch nie so schwierig wie aktuelle«, sagte er. Auf die Fixumsanpassung auf 9,50 Euro, die im Koalitionsvertrag im letzten Jahr versprochen wurde, warte man immer noch und hinzu komme noch die Schließungswelle der Apotheken.

Seit gut 13 Jahren gingen Apotheker leer aus, während andere Bereiche des Gesundheitssystems bedacht würden. Auch ein höheres Apothekenhonorar wäre deshalb gerechtfertigt. »Wenn unser Packungsfixum so angepasst worden wäre, wie es jetzt die Finanzkommission für die nächsten Jahre für alle Akteure im Gesundheitswesen vorschlägt, wäre unser Honorar seit 2013 so angestiegen, dass unser Packungsfixum bei über 12 Euro liegen würde, also fast so gestiegen wie die Einnahmen der Krankenkassen in den letzten 13 Jahren«, sagte Preis.

Die Fixumsanpassung müsse jetzt unmittelbar erfolgen, die Apotheker dürften nicht erneut zur Kasse gebeten werden, so der Vorsitzende. Die Situation sei in Berlin bekannt. Deshalb müssten Apotheker auch jederzeit als Gesprächspartner zur Verfügung stehen, betonte er.

Preis sah es positiv, dass es zumindest noch keine Absage bezüglich des Fixums gibt. Bei den Apothekern handele es sich um einen kleinen Berufsstand, der finanziell am Boden liege, und sich weiter durchsetzen müsse. Man hätte die richtigen Signale an die Politik gesendet und würde auch durch eine Petition unterstützt, die bereits mehr als 200.000 Bürgerinnen und Bürger unterzeichnet hätten.

Darüber hinaus sei ein Schulterschluss des Berufsstandes wichtig, so der Vorsitzende. Eine Primärversorgung der Bevölkerung sei ohne die öffentlichen Apotheken nicht möglich, betonte Preis. Die zurzeit laufenden Verhandlungen seien wichtig, bedeuten aber auch eine große Herausforderung für die Apotheken: Der Mindestlohn wird angehoben, der Verwaltungsaufwand und die unendliche Bürokratie nehmen zu. Dazu komme noch die Konkurrenz durch die Versender aus dem Ausland, die sich nicht an geltende Regeln halten. »Die Politik muss eingreifen«, forderte Preis.

Schwierige Wirtschaftslage

Sebastian Schwintek, Generalbevollmächtigter der Treuhand Hannover, gab in seinem Gastvortrag einen Überblick über die Wirtschaftslage und Perspektiven der Apotheken.

Seit 2013 ist der Umsatz zwar um 109 Prozent gestiegen, diesem Ergebnis stehen aber Betriebskosten von plus 71 Prozent, ein Rohgewinn von plus 58 Prozent, eine Grundlohnsumme von plus 44 Prozent und ein Verbraucherpreis von plus 31 Prozent gegenüber. Damit erklärt sich auch ein Betriebsgewinn von lediglich plus 21 Prozent seit 2013. Das knappe Plus beim erzielten Betriebsergebnis seit 2013 bezeichnete Schwintek angesichts der immens gestiegenen Kosten für Apotheken als »absolute Lächerlichkeit«.

Hinzu kommt auch der Schließungstrend der Apotheken, der weiterhin anhält. Ein weiterer Punkt ist der Versandhandel, der 2025 um 55,8 Prozent zugenommen hat. Insgesamt wächst der OTC-Versandhandelsbereich weiter und hat mittlerweile einen Marktanteil von 26,6 Prozent.

Lohnt sich Selbstständigkeit noch?

Aus diesen Ergebnissen ergibt sich dann auch die Frage: Lohnt sich die Selbstständigkeit für Apotheker noch? 6,8 Prozent der Apotheken sind defizitär, für 26 Prozent der Apotheken liegen die Erträge unter 100.000 Euro. Für ein Drittel der Apotheker lohnt sich eine Selbstständigkeit nicht mehr.

Dem könne man aber versuchen entgegenzuwirken: OTC-Präparate und Non-Rx seien relevante Faktoren für Apotheken, so Schwintek. Neue pharmazeutische Dienstleistungen und Impfungen mit Totimpfstoffen sowie Schnelltests (zum Beispiel auf Infektionserreger und zu Risiko-Indikatoren), die Apotheken jetzt möglich seien, müssten aber auch entsprechend honoriert werden.

OTC-Präparate könnte beispielsweise in der Apotheke zur Therapie-Optimierung empfohlen werden, um so den Umsatz zu steigern. Aber auch diese Möglichkeiten den Ertrag zu erhöhen, seien oft nicht ausreichend. Die Kosten für Apotheker seien immer weiter gestiegen und ein Ende sei nicht in Sicht, so Schwintek.

Die Apotheker hätten zwar Hoffnung durch den Koalitionsvertrag geschöpft, doch bis heute gebe es keinen Entwurf, wo die zugesicherte Erhöhung des Packungsfixums drinstehe, sagte der Generalbevollmächtigte.

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