| Theo Dingermann |
| 13.02.2026 14:00 Uhr |
In den USA sind in diesem Winter Kinder besonders stark von der Grippe betroffen, zeigt ein aktueller Bericht. / © Getty Images/PeopleImages
In einem Perspektiv-Beitrag, den Professor Dr. Sonja A. Rasmussen und Dr. Daniel B. Jernigan von der Johns Hopkins University School of Medicine beziehungsweise der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore im »New England Journal of Medicine « (NEJM) in dieser Woche veröffentlichten, argumentieren die Autoren, dass zwar die Gesamtbelastung durch die Influenza mit mehr als 20 Millionen Erkrankungen, rund 270.000 Hospitalisierungen und 11.000 Todesfällen bis zum 24. Januar 2026 im Rahmen früherer Saisons liegt, dass jedoch bestimmte Parameter wie ambulante Konsultationen und pädiatrische Hospitalisierungsraten bemerkenswert erhöht sind. So liegt die Zahl der ambulanten Behandlungen aufgrund von Grippe auf einem Rekordhoch der vergangenen knapp 30 Jahre.
Auch die Centers of Disease Control and Prevention (CDC) stufen die aktuelle Saison insgesamt als moderat, für die pädiatrische Population jedoch als schwer ein. So übertrafen beispielsweise die wöchentlichen Hospitalisierungsraten bei Kindern in der letzten Dezemberwoche 2025 sogar die Spitzenwerte der H1N1‑Pandemiesaison 2009/2010. Bis Ende Januar wurden 52 influenzaassoziierte Todesfälle bei Kindern gemeldet, etwas mehr als zum gleichen Zeitpunkt der schweren Saison 2024/2025, deren Endbilanz 289 pädiatrische Todesfälle umfasste.
Die Autoren des Perspektiv-Beitrags legen dar, dass neben der viralen Evolution auch ein bedeutsamer »Antivaccine Shift«, das heißt eine Veränderung im Impfverhalten der Bevölkerung durch eine zunehmende Impfskespis, und eine veränderte Gesundheitspolitik den Charakter der aktuellen Grippesaison beeinflusste.
So fuhren die verantwortlichen Behörden die staatlichen Kommunikations- und Promotionaktivitäten herunter. Beispielsweise wurde die erfolgreiche CDC‑Kampagne »Wild to Mild«, die den Schutz der Grippeimpfung vor schweren Verläufen in den Vordergrund stellte, Anfang 2025 eingestellt. Auch andere Aktivitäten zur National Influenza Vaccination Week wurden deutlich eingeschränkt und laufende TV‑ und Social‑Media‑Botschaften zur Impfung zurückgefahren.
In der Konsequenz ging die Impfquote messbar zurück: Bei Kindern, für die bis vor Kurzem in den USA eine generelle Impfempfehlung bestand, lag die kumulative Impfquote am 17. Januar 2026 bei 45,1 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau von 57,4 Prozent im gleichen Zeitraum der Saison 2019/2020. Entsprechend sank auch die Zahl der verteilten Impfdosen von 172,97 Millionen in 2019/2020 über 145,54 Millionen 2024/2025 auf 133,49 Millionen bis zum 10. Januar 2026.
Die Autoren ordnen diese Trends in ein breiteres gesundheitspolitisches Szenario ein und kritisieren explizit die Linie des US‑Health and Human Services (HHS) unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Anstatt die Influenzaimpfung als zentrale Präventionsmaßnahme zu stärken, hätten HHS‑Entscheidungen das Misstrauen gegenüber Impfstoffen verstärkt, etwa durch Modifikationen der CDC‑Webinhalte mit Betonung vermeintlicher Sicherheitsprobleme, die Förderung unbegründeter Zusammenhänge zwischen Impfungen und Autismus sowie die Entfernung der Routine‑Influenzaimpfung aus dem bundesweiten Kinderimpfplan.