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Influenza 2025/2026
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Hohe Hospitalisierungsrate bei Kindern in den USA

Die Dynamik der aktuellen Grippesaison ist in den USA bereits jetzt als ungewöhnlich bezeichnet und medial als »Super‑Grippe« dargestellt worden. Jetzt ordnen Forschende die Situation anhand epidemiologischer, virologischer sowie gesundheitspolitischer Faktoren ein. Zwei Parameter liegen auf Rekordhoch. 
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 13.02.2026  14:00 Uhr

Mögliche Maßnahmen gegen die antigenetische Drift

Die Autoren diskutieren drei strategische Handlungsfelder, um den strukturellen Vorteil des Virus durch antigenischen Drift zu kompensieren:

  • Erstens wird ein Ausbau der globalen virologischen Surveillance gefordert, um eine frühzeitige Identifikation neuer Varianten und damit eine adäquate Stammselektion für die Impfstoffe sicherzustellen. Wenig hilfreich war hier der Rückzug der USA aus der WHO und die Beendigung der Unterstützung dieser Institution, was den Zugang der CDC zu Virusproben deutlich erschwert.
  • Zweitens plädieren die Autoren für eine forcierte Weiterentwicklung von Impfstoffen, insbesondere auf mRNA‑Basis, die den Zeitraum zwischen Stammselektion und Verfügbarkeit um mehrere Monate verkürzen, höhere Produktionskapazitäten ermöglichen und die Antigenübereinstimmung verbessern könnten. Vor diesem Hintergrund kritisieren die Autoren die Entscheidung des HHS, Fördermittel für mRNA‑Impfstoffforschung in Höhe von 500 Millionen US‑Dollar zu streichen .
  • Drittens betonen die Autoren die Notwendigkeit einer aktiven Förderung der Impfakzeptanz. Der Satz »Vaccines don’t save lives — Vaccinations do« (Impfstoffe retten kein Leben – wohl aber Impfungen) wird als programmatisches Leitmotiv zitiert, und Modellierungsstudien belegen, dass bereits moderate Steigerungen von Impfstoffwirksamkeit oder ‑abdeckung substanzielle Reduktionen der Krankheitslast bewirken können.

Situation für Deutschland

Auch für Deutschland liegen mittlerweile belastbare Daten zur Influenzasaison 2025/2026 vor, die das im NEJM‑Artikel beschriebene Bild einer durch H3N2‑Subklade K dominierten, relativ früh einsetzenden, aber insgesamt saisonalen Grippewelle bestätigen und ergänzen.

Nach Analysen des RKI wurde die Subklade K (J.2.4.1) im August 2025 erstmals in Deutschland nachgewiesen. Seither stellt sie den Hauptanteil der zirkulierenden A(H3N2)‑Viren und ist maßgeblich für die Dynamik der aktuellen Grippewelle verantwortlich.

Im stationären Bereich entfallen bislang rund 72 Prozent der typisierten Influenzanachweise auf A(H3N2) und etwa 28 Prozent auf A(H1N1)pdm09. Influenzaviren der B‑Linien wurden in Deutschland in dieser Saison bisher nicht detektiert.

Epidemiologisch fällt ähnlich wie in den USA ein früher saisonaler Start mit einem steilen Anstieg der Fallzahlen auf, wobei die Welle nach RKI‑Definition bereits ab der 48. Kalenderwoche 2025 läuft und die akuten respiratorische Erkrankungen (ARE) sowie die schweren akuten Atemwegsinfektionen (SARI) inzwischen ein für die Jahreszeit hohes, aber im Rahmen früherer Winter übliches Niveau erreicht haben.

In Summe bewegen sich die Belastungsindikatoren in Deutschland bislang im Rahmen einer ausgeprägten, aber nicht außergewöhnlichen Saisonalwelle, sodass die Einstufung als »Super‑Grippe« als überzogen gelten kann.

Allerdings zeigte sich in den ersten Januarwochen ein deutlicher Anstieg der SARI‑Inzidenzen bei 0‑ bis 4‑Jährigen an, der sich später nicht weiter fortsetzte. Bei Schulkindern verharrt die schwere respiratorische Morbidität dagegen seit mehreren Wochen auf hohem Niveau, während sie in anderen Altersgruppen moderat blieb oder leicht zurückging.

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