Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Metaanalyse
-
Hirnaneurysmen häufiger als gedacht

Hirnaneurysmen sind Aussackungen von Blutgefäßen im Gehirn. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdoppelt, zeigt eine aktuelle Metaanalyse. Wer hat ein hohes Risiko und was bedeutet die Diagnose Hirnaneurysma?
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 11.09.2026  16:20 Uhr

Clipping und Coiling als Therapie

Zur Entfernung der Hirnaneurysmen werden vor allem zwei Verfahren eingesetzt: das Clipping und das Coiling. Beim Clipping öffnen Neurochirurgen den Schädel, legen das Aneurysma frei und klemmen es mit einem kleinen Metall-Clip vom Blutgefäß ab. Der Clip verbleibt im Kopf. Für die Operation ist eine Vollnarkose nötig und das Verfahren birgt auch Risiken. So kann der Eingriff selbst Blutungen und Schlaganfälle auslösen oder zu Nervenverletzungen und damit zu Sprach-, Seh- oder Gefühlsstörungen sowie Lähmungen führen.

Bei schlecht zugänglichen Aneurysmen wird das endovaskuläre Coiling eingesetzt. Dabei führen die Behandler ein Endoskop über die Arm- oder Leistenvene ein, schieben es bis zum betroffenen Gefäß im Gehirn vor und platzieren eine kleine Platinspirale im Aneurysma. Diese soll das Blut im Innern zum Gerinnen bringen und somit verhindern, dass weiter Blut hereinfließen kann. Weil das nicht immer vollständig gelingt, muss die operierte Stelle lebenslang regelmäßig nachkontrolliert werden. Das Coiling ist für den Patienten zwar weniger belastend als das Clipping, aber auch nicht risikofrei: Blutgefäße können verletzt werden und es kann zu Blutungen und Schlaganfällen sowie Hirnschäden kommen.

Beratung in spezialisierten Zentren

Insgesamt hätten Patienten ein Risiko von etwa 2 bis 3 Prozent, durch einen solchen Eingriff einen Schlaganfall zu erleiden oder zu versterben – während das jährliche Rupturrisiko eines unbehandelten Aneurysmas etwa 1 Promille betrage, betonen die Autoren. »Unsere Daten belegen, dass ein zufällig entdecktes Aneurysma heute im Mittel weniger gefährlich ist als noch vor 20 Jahren. Für die allermeisten Betroffenen ist die richtige Antwort deshalb kein präventiver Eingriff, sondern eine sorgfältige Einschätzung des individuellen Risikos und eine verlässliche Überwachung der Risikofaktoren mit bildgebenden Kontrollen über die Zeit«, erklärt Etminan. Spezialisierte Kliniken wie etwa das Zentrum für Hirnaneurysmen in Mannheim sind für Betroffene gute Anlaufstellen.

In Zukunft könnten auch nicht invasive Therapien zur Verfügung stehen, denn an der Entwicklung von medikamentösen Ansätzen wird intensiv geforscht. So untersucht zum Beispiel die Universitätsmedizin Mannheim in Kooperation mit niederländischen Kollegen in der Phase-III-Studie PROTECT-U, ob die Gabe von 100 mg Acetylsalicylsäure (ASS) täglich plus intensive Blutdruckeinstellung das Rupturrisiko besser senkt als die Blutdruckeinstellung allein.

Auch Atorvastatin in der Dosierung 20 mg/Tag wurde in einer kleinen klinischen Studie schon eingesetzt, um die Inflammation in der Gefäßwand zu reduzieren. Erste klinische Studien liefen zudem bereits zum Einsatz von Dimethylfumarat, Betablockern und Methotrexat.

Mehr von Avoxa