Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Metaanalyse
-
Hirnaneurysmen häufiger als gedacht

Hirnaneurysmen sind Aussackungen von Blutgefäßen im Gehirn. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdoppelt, zeigt eine aktuelle Metaanalyse. Wer hat ein hohes Risiko und was bedeutet die Diagnose Hirnaneurysma?
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 11.09.2026  16:20 Uhr

Die Gründe für den Anstieg

Dass die Häufigkeit der Hirnaneurysmen so stark gestiegen ist, kann den Autoren zufolge auf eine bessere oder häufigere Anwendung der Bildgebung und auf die Alterung der Bevölkerung zurückgehen. Die Verdopplung in den vergangenen Jahren lasse sich aber nur zum Teil durch diese beiden Faktoren erklären, heißt es von den Experten.

Dagegen, dass allein durch sensitivere Bildgebungsverfahren mehr Aneurysmen gefunden werden, spreche, dass im selben Zeitraum nicht nur mehr kleine, sondern auch mehr größere Aneurysmen ab 5 mm entdeckt wurden. Auch die demografische Entwicklung trage nur zum Teil zum Anstieg der Zahlen bei, da eine Zunahme auch dann in der Analyse bestehen blieb, wenn das Alter statistisch herausgerechnet wurde.

Da zudem die bekannten Risikofaktoren in der Bevölkerung stetig abnähmen, müssten »weitere, bislang unbekannte Einflüsse eine Rolle spielen – Umweltfaktoren beispielsweise«, sagt Professor Dr. Gabriel J. E. Rinkel, Mitautor der Studie, in der Mitteilung. »Diese unklaren Faktoren zu identifizieren, gehört zu den drängendsten offenen Fragen der nächsten Jahre.«

Nur jedes 1000. Aneurysma reißt

Zusammen mit den Risikofaktoren hat in den vergangenen Jahrzehnten auch die Zahl der Subarachnoidalblutungen abgenommen. Das hatte die Arbeitsgruppe um Rinkel und Seniorautor Professor Dr. Nima Etminan bereits in einer früheren Untersuchung festgestellt. Wie das Team 2019 im Fachjournal »JAMA Neurology«  berichtete, gingen die Hirnblutungen durch geplatzte Aneurysmen weltweit über drei Jahrzehnte um rund 40 Prozent zurück.

Die Zahl der Hirnaneurysmen steigt also, während die Zahl der Rupturen sinkt. Das bedeutet, dass das Risiko für ein Platzen des Aneurysmas zurückgeht. Wie die Experten in der Mitteilung betonen, platzt nur etwa eines von 1000 Aneurysmen pro Jahr.

Häufig kann daher ein Hirnaneurysma ausschließlich beobachtet – also regelmäßig kontrolliert – werden. Bei einem erhöhten Rupturrisiko lässt sich ein Hirnaneurysma auch vorsorglich operativ entfernen. Ein erhöhtes Risiko besteht etwa bei großen und schnell wachsenden Aneurysmen, bei einer unregelmäßigen Form, was auf eine instabile Gefäßwand hindeutet, bei Hypertonie, Rauchen, regelmäßigem Alkoholkonsum, einer familiären Vorbelastung oder vorausgegangenen Blutungen.

Mehr von Avoxa