| Melanie Höhn |
| 14.07.2026 16:20 Uhr |
Zerstörte Infrastruktur an der Ahr an der Rotweinstraße im Jahr 2021. / © imago images/blickwinkel
Wenn Inge Göttling heute an die Nacht vor fünf Jahren denkt, ist da noch immer etwas. Ein Gefühl von damals ist plötzlich wieder da, das sie als lebensverändernd beschreibt.
In den Nachtstunden vom 14. auf den 15. Juli 2021 kamen durch extreme Regenfälle in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen 185 Menschen ums Leben, viele Anwohner verloren ihr Zuhause oder ihr Geschäft. Besonders betroffen war das Ahrtal. Auch die Apothekerin Göttling kämpfte um ihr Geschäft, das durch die Fluten komplett zerstört wurde. Die ehemalige Burg-Apotheke in Altenahr stand elf Meter unter Wasser.
»Ich dachte, ich würde damit besser klarkommen. Im Prinzip komme ich gut damit zurecht, das ist gar kein Problem, aber heute berührt es mich«, sagte Göttling über die Ereignisse im Ahrtal heute zur PZ. Obwohl sie derzeit im Urlaub sei und weg von den Geschehnissen und Veranstaltungen im Gedenken an die Flutkatastrophe, sei das damalige Gefühl wieder präsent.
Tatsächlich sei es der Zusammenhalt in ihrem Team gewesen, das ihr in den vergangenen Jahren Zuversicht gegeben habe. »Und dass wir von außen so enorm viel Hilfe bekommen haben – man macht sich gar nicht klar, wie wichtig das ist. Das hat mir wirklich die Kraft gegeben und auch die Motivation weiterzumachen. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt allein gelassen gefühlt.« Göttling habe auch eine Fähigkeit entwickelt, die sie sich vorher nicht zugetraut hatte, erzählte sie. »Ich bin extrem auf alle Leute zugegangen und habe mit jedem gesprochen. Es ist auch eine innere Kraft, die man da plötzlich herausgeben kann.«
Inge Göttlings neue Apotheke, die Burg-Apotheke in Ahrbrück. / © Burg-Apotheke
Eine große Unterstützung war das Medikamentenhilfswerk action medeor, das im Juli 2021 erstmals in seiner Geschichte im eigenen Land tätig geworden war. Was als akute Nothilfe mit medizinischem Material, Wasserentkeimungstabletten und Ausrüstung begann, entwickelte sich zu einem mehrjährigen Engagement für den Wiederaufbau von Gesundheits-, Pflege- und sozialen Strukturen, mit besonderem Schwerpunkt im Ahrtal.
»Die Flut hat nicht nur Häuser, Straßen und Brücken zerstört, sondern auch gewachsene Versorgungsstrukturen im Gesundheitsbereich“, erklärte Sid Peruvemba, Vorstandssprecher von action medeor, in einer Meldung. »Unser Ziel war es deshalb, die Menschen und Organisationen vor Ort dabei zu unterstützen, diese Strukturen wieder herzustellen und handlungsfähig zu werden.«
Rund vier Millionen Euro habe action medeor in den vergangenen fünf Jahren dafür aufgewendet. Finanziert wurden die Hilfen vollständig aus Spendengeldern, unter anderem aus dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft, in dem action medeor Mitglied ist.