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Stammzellen bei Herzinsuffizienz

»Herzpflaster« wird klinisch getestet

Defektes Herzgewebe durch frisches, aus Stammzellen gezüchtetes Gewebe zu ersetzen, ist ein vielversprechender Ansatz bei Herzinsuffizienz. Jetzt wird das in Göttingen entwickelte »Herzpflaster« erstmals in einer klinischen Studie erprobt.
Annette Rößler
10.02.2021  17:00 Uhr

Am Herzzentrum der Uniklinik Göttingen, dem Uniklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, und dem Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oyenhausen startet demnächst die Studie BioVAT-HF-DZHK20. In ihr soll das »Herzpflaster«, das maßgeblich am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Göttingen entwickelt wurde, erstmals in einer klinischen Studie getestet werden. Eingeschlossen werden sollen insgesamt 53 Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz.

Als »Herzpflaster« bezeichnen die Macher der Studie schlagendes menschliches Herzmuskelgewebe, das durch ein Gewebezuchtverfahren (Tissue Engineering) aus pluripotenten Stammzellen hergestellt wird. Wie einer gemeinsamen Pressemitteilung der Universitätsmedizin Göttingen und des DZHK zu entnehmen ist, werden die Zellen durch Reprogrammierung aus Nabelschnurblut gewonnen. Dabei werden aus den Stammzellen zunächst Herzmuskelzellen und Bindegewebszellen hergestellt und beide Zelltypen dann, mit Kollagen vermischt, in einem dreimonatigen Prozess im Labor zum »Herzpflaster« umgewandelt. Das Verfahren, das die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann an der Uniklinik entwickelt hat, wird mittlerweile von der Göttinger Firma Repairon, einer Ausgründung der Universitätsmedizin Göttingen, angewandt.

Ein einzelnes »Herzpflaster« besteht aus 40 Millionen Zellen. In der Studie BioVAT-HF-DZHK20 sollen den Patienten jeweils fünf solcher »Pflaster«, also insgesamt 200 Millionen Zellen, übereinandergestapelt direkt auf die geschädigte Herzwand appliziert werden. Die Implantation erfolgt über einen minimalinvasiven Zugang, einen etwa 5 cm großen Schnitt auf der linken Seite des Burstkorbs. In Folgeuntersuchungen nach einem, drei, sechs und zwölf Monaten wird überprüft, ob der erhoffte Effekt, eine Steigerung der Herzfunktion, eintritt. Die Forscher um Studienleiter Zimmermann erwarten, dass sich die defekte Herzwand durch den Eingriff um bis zu 5 mm verdicken lässt. Um eine Abstoßung des körperfremden Gewebes zu unterdrücken, müssen die Patienten Immunsuppressiva einnehmen.

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