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Phytopharmaka

Heilpflanzen gegen Husten

Evidenzbasierte Phytopharmaka erfahren in der aktualisierten Husten-Leitlinie eine Aufwertung. Deren Datenlage zur Symptomlinderung für die Indikation akute Bronchitis »ist häufig besser als für synthetische Expektoranzien«, schreiben die Autoren. Welche Spezialextrakte sind zu empfehlen?
Elke Wolf
11.11.2019
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Laut der S2k-Leitlinie ist die systemische Therapie mit Phytopharmaka für Erkältungshusten und akute Bronchitis empfehlenswert, »da einige pflanzliche Präparate Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien für eine Linderung der Intensität und ein schnelleres Abklingen des Hustens gegenüber Placebo haben«. Auch im Vergleich zu chemisch-synthetischen Expektoranzien schneiden evidenzbasierte Phytopharmaka positiv ab.

Konkret nennt die Leitlinie Zubereitungen aus Myrtol und Cineol, die Kombinationen aus Efeu und Thymian sowie Primel und Thymian, Efeu-Extrakte sowie solche aus Pelargonium sidoides. Die Datenlage für diese Phytopharmaka für die Indikation akute Bronchitis, so halten die Leitlinien-Autoren fest, sei häufig besser als für synthetische Expektoranzien.

Für oben und unten

Unter den aufgeführten pflanzlichen Zubereitungen ist Gelomyrtol® forte das einzige, das sowohl die Zulassung für akute entzündliche Erkrankungen der Bronchien als auch der Nasennebenhöhlen innehat, ein Mischspezialdestillat auf Basis rektifizierter Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöle (Spezialdestillat ELOM-080, früher Myrtol®). Zwar ist auch 1,8-Cineol (Sinolpan® forte, Soledum®) für beide Indikationen geeignet und wird auch von der Husten-Leitlinie als pflanzliches Arzneimittel mit Evidenz aufgeführt, doch als isolierte Monosubstanz kann Cineol kein Phytopharmakon sein. Phytopharmaka sind definitionsgemäß Vielstoffgemische.

Gelomyrtol® forte überzeugt in klinischen Studien mit einer signifikanten Überlegenheit in Form eines um zwei Tage schnelleren Heilungsverlaufs gegenüber Placebo. Dieses positive Ergebnis fußt auf der Tatsache, dass sich bereits nach zwei Tagen Verumtherapie die Hustenattacken deutlich reduzierten und das Abhustevermögen verbesserte. Zudem ist das Spezialdestillat in der Lage, die Hauptsymptome einer Rhinosinusitis anzugehen. Infektbedingte Schmerzen sowie die behinderte Nasenatmung bessern sich bereits deutlich in den ersten Behandlungstagen.

Molekularbiologische Untersuchungen bieten für diese klinischen Effekte das wissenschaftliche Unterfutter. Durch seine multifaktorielle Wirkweise erhöht das Mischdestillat nachweislich die Zilienschlagfrequenz und verbessert die Fluidität der Sekretschicht des respiratorischen Flimmerepithels. Dadurch wird der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege, die mukoziliäre Clearance, unterstützt.

Efeu mono oder in Kombi

Zwei Pflanzenkombinationen, die die Husten-Leitlinie aufführt, sind die von Thymiankraut mit Efeublättern (Bronchipret® Saft TE) sowie die Kombination von Thymiankraut mit Primelwurzel (wie Bronchipret® TP Filmtabletten, Bronchicum® Elixier und Tropfen). Für die zuletzt genannten Thymiankraut-Primelwurzel-Extrakte hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA auch den well-established Use vergeben. Diese Extraktkombinationen bewirkten in kontrollierten, randomisierten Studien im Vergleich zu Placebo aufgrund sekretolytischer und antiphlogistischer Effekte ein signifikant schnelleres Abklingen der Hustenanfälle. So reduzierten sich die Hustenattacken um die Hälfte im Schnitt zwei Tage früher als in den Kontrollgruppen.

Während Thymiankraut-Monopräparate keine positiven Studienergebnisse vorzuweisen haben, haben das in besonderer Art und Weise Mono-Extrakte von Efeublättern. Diverse ethanolische Auszüge verfügen über eine exzellente Studienlage, der prominenteste dürfte der Spezialextrakt EA 575® in Prospan® sein. Er verfügt zusätzlich über Wirknachweise für Kleinkinder und Asthma-Patienten. Für diverse Trockenextrakte aus Efeublättern hat die EMA den well-established Use vergeben (wie Prospan®, Hedelix®, Efeu Hustensirup Madaus, Bronchoverde® Hustenlöser, Sinuc®). Verantwortlich für den klinischen Effekt dürfte die Normalisierung der Sekretviskosität und die Entspannung der Bronchialmuskulatur sein.

Pelargonium mit Potenzial

Ebenfalls die Bronchitis-spezifischen Symptome sowie Hustenstöße und Auswurf reduzieren Auszüge der Wurzel der Kapland-Pelargonie mit einem Droge-Extrakt-Verhältnis von 1:8-10 und 11-prozentigem Ethanol als Auszugsmittel (wie Umckaloabo®, Pelargonium-ratiopharm® Bronchialtropfen).

Zahlreiche randomisierte Doppelblindstudien bestätigen dem Pelargonium-Spezialextrakt EPs® 7630, dass sowohl Erwachsene als auch Kinder mit akuter Bronchitis ab einem Jahr von der Einnahme profitieren. Der Spezialextrakt reduziert Hustenattacken und Sputum und verkürzt die Krankheitsdauer signifikant um 2 bis 2,5 Tage. Zudem ist der Spezialextrakt in der Lage, die mit Infekten einhergehenden Begleiterscheinungen wie Antriebslosigkeit, Schläfrigkeit oder Appetitlosigkeit – auch Sickness Behaviour genannt – signifikant zu reduzieren. Die Dosierung sollte bei täglich 60 bis 90 mg liegen und die Anwendungsdauer maximal drei Wochen betragen. Patienten mit Leberproblemen verzichten besser auf die Einnahme.

Das Wirkprinzip hinter dem Pelargonium-Extrakt scheint ein synergistisches Zusammenspiel mehrerer Wirkkomponenten zu sein. Der Spezialextrakt zeichnet sich neben seiner expektorierenden Wirkung durch direkte antivirale und antibakterielle Eigenschaften aus. So verhindert er die Adhäsion von Influenza- oder Rhinoviren sowie von Bakterien an die Wirtszellen. Was bedeutet, dass die Erreger dadurch an der Vermehrung und Ausbreitung gehindert werden. Zusätzlich schreibt man EPs® 7630 eine gewisse immunmodulierende Kompetenz zu: Mit der Neuraminidase hemmt er auch die Viren-Übertragung auf andere Zellen und mit der Stimulation von Interferon ß schützt er nicht nur Zellen vor der Zerstörung durch Viren, sondern aktiviert die natürlichen Killerzellen der körpereigenen Abwehr. So können weniger Viren entstehen und die Belastung wird eingedämmt.

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