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Cochrane-Review

Haben PPI einen Nutzen bei COPD?

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) können womöglich bei Patienten mit COPD das Auftreten von Exazerbationen reduzieren, wie Wissenschaftler der »Cochrane Airways Group« kürzlich analysierten.
Carolin Lang
11.09.2020  17:00 Uhr

Grund für einen eventuellen Nutzen von PPI bei einer Lungenerkrankung ist folgender: Die gastroösophageale Refluxkrankheit kann bei COPD-Patienten durch die pulmonale Mikroaspiration von Magensäure möglicherweise Exazerbationen auslösen. Da PPI die Produktion von Magensäure effektiv hemmen, könnten sie diesen also vorbeugen, so die Theorie.

Um dieser Theorie nachzugehen, analysierten Wissenschaftler der »Cochrane Airways Group« die Ergebnisse einer multizentrischen, Cluster-randomisierten Studie aus Japan, an der 103 erwachsene Probanden mit COPD teilnahmen. Die Studienteilnehmer waren im Durchschnitt 75 Jahre alt und hatten keine Vorgeschichte oder Symptome einer GERD . Während der einjährigen Studiendauer wurde die orale Therapie mit Lansoprazol in Ergänzung zur üblichen Behandlung mit der alleinigen üblichen Behandlung verglichen. Dabei wurde der Einfluss auf die Häufigkeit von COPD-Exazerbationen und Erkältungen untersucht.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher kürzlich in einem Cochrane-Review (DOI: doi.org/10.1002/14651858.CD013113.pub2). Zwölf von 50 Probanden, die eine Tagesdosis von 15 mg Lansoprazol erhielten, hatten innerhalb eines Jahres mindestens eine Exazerbation. Verglichen mit der Gruppe, die keine PPI erhielten, waren es 26 von 50 Probanden. Die Häufigkeit von COPD-Exazerbationen pro Person in einem Jahr war in der PPI-Gruppe ebenfalls geringer als in der Gruppe mit üblicher Versorgung allein. Die Anzahl von Personen mit mindestens einer Erkältung im Laufe des Jahres war in beiden Gruppen ähnlich: In der PPI-Gruppe waren es 26 Personen, in der Gruppe mit üblicher Behandlung hingegen 27 Personen.

PPI könnten die Häufigkeit von COPD-Exazerbationen möglicherweise verringern, schlussfolgern die Autoren. Sie schätzen die Evidenz der Studie allerdings als sehr gering ein. Es seien daher weitere hochwertige Studien mit verschiedenen PPI erforderlich, um mehr Sicherheit zu erhalten.

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