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Abrechnungsbetrug und Bestechung

Großrazzia bei Ärzten und Apothekern

Wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs mit Krebsmedikamenten haben hunderte Polizisten am Dienstagmorgen 47 Objekte in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen durchsucht. Die Ermittlungen richteten sich gegen 14 Beschuldigte, darunter neun Ärzte, drei Apotheker und zwei Geschäftsführer von Pharmafirmen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg.
dpa
PZ
17.12.2019
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Der Betrugsschaden soll in Millionenhöhe liegen. Ärzte, Apotheker und Pharma-Manager sollen beim lukrativen Geschäft mit Krebsmedikamenten gemeinsame Sache gemacht haben. Mit einer Großrazzia gingen die  Ermittlungsbehörden gegen die Verdächtigen vor. Im Zentrum der Ermittlungen steht die Firma Zytoservice in Hambung, wie »Zeit online« berichtet. Das Unternehmen sei Marktführer bei der Herstellung von Infusionen gegen Krebs in Deutschland heißt es weiter. »Es geht um Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen und Abrechnungsbetrug, beides im Zusammenhang mit der Verordnung und Abrechnung von Zytostatika«, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Hamburg. Zytostatika werden bei der Chemotherapie gegen Krebs eingesetzt. Zunächst sollten mögliche Beweise sichergestellt werden. Betroffen war auch eine Apotheke in der Hamburger Innenstadt. Polizisten trugen dort am Morgen Umzugskartons zum Abtransport der Beweismittel in die Geschäftsräume. Haftbefehle gegen die Beschuldigten lägen jedoch nicht vor, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. An dem Einsatz seien 420 Polizisten und sechs Staatsanwälte beteiligt. 

Auch in den Räumlichkeiten von Zytoservice in der Hamburger Innenstadt wurden Beweise sichergestellt. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft den Hauptbeschuldigten nach Informationen von »Zeit online« und »Panorama« »Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen und Betrug« vor. Manager von Zytoservice, darunter die drei Gründer, sollen »jeweils gewerbsmäßig und als Mitglied einer Bande gehandelt« haben. Die Firma soll Ärzte bestochen haben, um an Rezepte für Krebspatienten zu kommen. Neben sogenannter »Kickback-Zahlungen« von mehr als einer halben Million Euro hätten die Ärzte auch rückzahlungsfreie Darlehen, Luxusfahrzeuge zur Nutzung oder Praxiseinrichtungen erhalten, hieß es. Die Rezepte seien dann an eine konzernnahe Apotheke von Zytoservice gegangen und zu Unrecht bei den Kassen abgerechnet worden. Allein der Techniker Krankenkasse soll dadurch seit Januar 2017 ein Betrugsschaden von 8,6 Millionen Euro entstanden sein, berichtet »Zeit online«.

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