| Melanie Höhn |
| 07.10.2026 15:30 Uhr |
Ebenfalls manipulationsanfällig und dabei moralisch besonders verwerflich sei der Betrug in der Intensivpflege, speziell bei der kostenintensiven, hochsensiblen 24-Stunden-Versorgung von Patientinnen und Patienten. Hier würden Kriminelle »mitunter eiskalt« vorgehen, so die KKH, dabei riskierten sie das Leben Schwerkranker, wenn zum Beispiel Patienten mit Beatmungsgerät oder Ernährungssonde von unqualifiziertem Personal behandelt würden.
Insgesamt sei es schwierig, engmaschige Netzwerke aufzudecken und Betrüger dingfest zu machen. Doch aus ihrer Berufspraxis weiß Kriminalhauptkommissarin Antje Schindler von der Kripo Leipzig: »Bei jedem Fall im Deliktfeld Abrechnungsbetrug, gleich wie gerissen die Täterinnen und Täter vorgehen, fallen dank Spezialsoftware immer digitale Spuren an. Sie sind vergleichbar mit dem Fingerabdruck und der DNA-Spur, die früher bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen harte Fakten lieferten. Allen ist gemeinsam, dass sie einen eindeutigen Beweis erbringen, objektiv und zeitunkritisch sind.«
Entscheidend ist nach Ansicht des KKH-Juristen Penkov der länderübergreifende Austausch der Fehlverhaltensstellen der Kassen untereinander: Kassenärztlichen Vereinigungen, Staatsanwaltschaften, Fachkommissariaten der Polizei und anderen Behörden müssten an einem Strang ziehen. »Je engmaschiger und professioneller unser gemeinsames Ermittler-Netzwerk agiert, desto weniger Schlupflöcher bleiben für geldgierige Kriminelle und desto erfolgreicher ist die Quote rechtskräftiger Verurteilungen mit abschreckendem Effekt«, so Penkov.
Darüber hinaus setzt die KKH bei der Betrugsbekämpfung teils auf künstliche Intelligenz. Damit können große Datenmengen effizient geprüft und Betrugsmuster herausgefiltert werden. »Laut aktueller Rechtslage dürfen solche KI-Tools bislang nur kassenintern eingesetzt werden«, sagt Penkov. »Es wäre wünschenswert, wenn die Politik hier die Weichen stellen würde, sodass Fehlverhaltensstellen ihre riesigen Datenvolumen kassenübergreifend abgleichen und so das Dunkelfeld proaktiv erhellen könnten.«
Laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der KKH hält die deutliche Mehrheit (65 Prozent) der Befragten zwischen 18 und 70 Jahren das deutsche Gesundheitswesen für betrugsanfällig. 22 Prozent davon stufen es sogar als sehr anfällig ein. Mögliche Verdachtsfälle auf Fehlverhalten im Gesundheitswesen können anonym oder namentlich online gemeldet werden über das KKH-Hinweis-System oder per E-Mail an betrugsverdacht@kkh.de. Jeder Hinweis werde vertraulich geprüft.