»Immer wenn ich mit all meinen Sinnen ganz im Hier und Jetzt bin, dann fühle ich mich lebendig«, sagt sie. Ein starker Sinnesreiz wie eine kalte Dusche am Morgen, barfuß durchs Gras gehen oder schlicht Bewegung kann helfen, wieder in Kontakt mit der eigenen Lebendigkeit zu kommen.
Lebendigkeit entstehe auch, wenn wir Neues wagen und Routinen durchbrechen – etwa, indem man einen anderen Weg nimmt oder sich nach dem Motto »zweimal links, einmal rechts« treiben lässt.
Eine weitere Zutat ist Verspieltheit. »Wenn wir verspielt sind, dann ist unser Gehirn bereit, sich neuroplastisch zu verändern«, sagt Glück. In solchen Momenten lernen wir, entwickeln uns weiter und wachsen manchmal sogar über uns hinaus.
Gleichzeitig erleben viele Menschen die Gegenwart als Zeit der »Multikrisen«: Kriege, Klimasorgen, wirtschaftliche Unsicherheit. »Darf ich denn überhaupt glücklich sein, wenn doch so schlimme Dinge in der Welt passieren?«, formuliert Nanni Glück eine verbreitete Frage. Es gehe um Ambiguitätstoleranz – also darum, dass Schönes und Schreckliches nebeneinander existieren können.
Und: Gerade weil die Welt komplexer wirkt, sei Selbstfürsorge wichtiger denn je. Nur wenn Menschen »in ihrer Kraft« seien, könnten sie andere unterstützen und kreative Lösungen für neue Probleme entwickeln. Wer dagegen dauerhaft gestresst oder von Angst überwältigt sei, reagiere nur noch, statt aktiv zu handeln.
Am Ende gehe es deshalb nicht um dauerhafte Euphorie, sondern um ein stabiles, freundliches Verhältnis zum eigenen Leben. Oder wie Nanni Glück es formuliert: »Die Welt braucht jeden Einzelnen von uns in seiner besten Version.«