| Christina Hohmann-Jeddi |
| 06.03.2026 08:00 Uhr |
Auch bei Diabetes-Patienten mit bereits bestehender Suchtproblematik zeigten sich Vorteile: In der mit GLP-1-Rezeptoragonisten behandelten Gruppe war das Risiko für Notaufnahmen wegen substanzbedingter Probleme um 31 Prozent und für Klinikeinweisungen um 26 Prozent reduziert. Das Risiko für Überdosierungen sank um 39 Prozent, für Todesfälle um 50 Prozent. Suizidgedanken oder -versuche wurden um 25 Prozent seltener dokumentiert. Das entspricht etwa ein bis zehn weniger schwerwiegenden Ereignissen pro 1000 Personen in drei Jahren.
Die Autoren betonen jedoch Einschränkungen der Studie: So stammn die Daten aus dem Versorgungssystem für Veteranen, in dem überwiegend ältere Männer behandelt werden, weshalb das Kollektiv nicht sehr heterogen ist. Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie – nicht gemessene Einflussfaktoren wie Sozialstatus oder Lebensstil könnten die Ergebnisse verzerrt haben. Durch ein aufwendiges, einem randomisierten Versuch nachempfundenes Studiendesign versuchten die Forschenden allerdings, typische Verzerrungen zu minimieren.
»Diese Beobachtungsdaten deuten auf eine mögliche Rolle von GLP-1-Rezeptoragonisten sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung verschiedener Substanzkonsumstörungen hin, was eine weitere Untersuchung rechtfertigt«, schreiben die Autoren um Cai. Ob sich der beobachtete Effekt bestätigt, müssen nun randomisierte klinische Studien klären.
In einem begleitenden Kommentar bezeichnet Professor Dr. Fares Qeadan von der Loyola University Chicago die Ergebnisse als weiteren Hinweis darauf, dass GLP-1-Rezeptoragonisten substanzbezogene Risiken beeinflussen könnten. Bewährte Suchttherapien blieben zwar weiterhin Standard. Wenn GLP-1-Medikamente jedoch aus kardiometabolischen Gründen angezeigt seien, könnten der mögliche Zusatznutzen im Hinblick auf Suchterkrankungen in die gemeinsame Therapieentscheidung mit einfließen.
Manche Experten sind von der Wirksamkeit angetan: Der Rückgang der Sterblichkeit im Zusammenhang mit Substanzkonsum sei »unglaublich auffällig und ermutigend«, sagte Professor Dr. W. Kyle Simmons, Pharmakologe an der Oklahoma State University in Tulsa gegenüber der Nachrichtenseite des Fachjournals »Nature«. Wie die Wirkung zustande komme, sei noch unklar. Simmons vermutet aber einen Effekt auf das Dopamin-System im Gehirn, das angenehme Erfahrungen verstärkt und an der Suchtentwicklung beteiligt ist. Er rechnet mit weiteren Veröffentlichungen von Studienergebnissen in den kommenden sechs Monaten.