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Belgardt

Gleichpreisigkeit sichert das Gesundheitssystem

Der Wegfall der Gleichpreisigkeit bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bedeutet eine massive Gefährdung des deutschen Gesundheitssystems. Um zu den bewährten Prinzipien von Solidarität und Sachleistung zurückzukehren, ist der beste Weg das Rx-Versandhandelsverbot, sagte Dr. Christian Belgardt, Präsident der Apothekerkammer Berlin, gestern auf deren Delegiertenversammlung.
Annette Mende
28.11.2018
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Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente, wie sie ausländische Versandapotheken seit zwei Jahren gewähren dürfen, seien mit dem Prinzip der Solidarität nicht vereinbar, so Belgardt: »Es kann nicht sein, dass jemand, der krank ist und dem die Gemeinschaft etwas bezahlt, dafür auch noch einen Bonus bekommt.« Auch das Sachleistungsprinzip, der zweite Grundpfeiler der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werde dadurch verletzt. Die beste und sicherste Methode, um die Gleichpreisigkeit wiederherzustellen und somit das Gesundheitssystem zu sichern, sei das Rx-Versandhandelsverbot. Alle anderen Ansätze seien weniger sinnvoll; so bleibe etwa bei einer Regelung über das Sozialgesetzbuch die Private Krankenversicherung außen vor.

Leider habe jedoch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beim Apothekertag in München unmissverständlich deutlich gemacht, dass er das Rx-Versandhandelsverbot nicht möchte. Dennoch wolle er die Gleichpreisigkeit sicherstellen. »Das ist eigentlich unverständlich«, sagte Belgardt. Er erwarte, dass der Minister bei der ABDA-Mitgliederversammlung am 11. Dezember eine Alternative zum Rx-Versandhandelsverbot präsentieren wird. Diese müsse dann inhaltlich geprüft werden.

Den Apothekern stelle sich die Frage: »Wollen wir das Rx-Versandhandelsverbot um jeden Preis oder essen wir Kröten mit Marmelade?«, sagte Belgardt. Es sei leider festzuhalten, dass die Wirkmächtigkeit der Lobbyarbeit am Ende begrenzt ist, das habe man schon bei der Diskussion um den E-Medikationsplan gesehen. Dennoch: »Es ist nicht so, dass wir nichts erreicht hätten.« Wohin sich die Apothekerschaft mittel- und langfristig entwickeln wolle, sei im Perspektivpapier »Apotheke 2030« festgehalten. »Wie wir da hinkommen, an welchen Stellschrauben wir dafür drehen, muss jetzt verhandelt werden.«

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