| Theo Dingermann |
| 04.03.2026 11:00 Uhr |
Die neue Studie unterstreicht, dass Lebensstilinterventionen trotz der breiten Einführung wirksamer Inkretintherapien ein zentrales Element der kardiovaskulären Prävention bei Typ‑2‑Diabetes bleiben. Dazu gehört auch möglichst viel Bewegung. / © Getty Images/Maskot
Forschende um Dr. Xuan-Mai T. Nguyen vom Department of Medicine der UCLA David Geffen School of Medicine in Los Angeles haben im Wissenschaftsjournal »The Lancet Diabetes & Endocrinology« die Ergebnisse einer prospektive Kohortenstudie der »Million Veteran Program‑Kohorte« publiziert.
In diese Studie, in der die Risikominimierung für Herz‑Kreislauf‑Ereignisse bei Typ‑2‑Diabetikern durch einen gesunden Lebensstil oder durch die Einnahme von GLP‑1‑Rezeptoragonisten und in Kombination untersucht werden sollte, waren 98.261 Personen mit Typ‑2‑Diabetes ohne vorausgegangenen Myokardinfarkt, Schlaganfall oder fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung eingeschlossen.
Das mittlere Follow‑up betrug insgesamt 632.543 Personenjahre, in denen 10.443 schwere kardiovakuläre Ereignisse (Major Adverse Cardiovascular Events, MACE), das heißt ein nicht tödlicher Myokardinfarkt oder Schlaganfall oder der kardiovaskuläre Tod dokumentiert wurden. Die Population war überwiegend männlich (circa 95 Prozent) und älter, mit einer hoher Prävalenz klassischer Risikofaktoren und Begleiterkrankungen.
Der Lebensstil wurde über acht binär bewertete Faktoren zu einem 0-bis-8‑Punkte‑Score zusammengefasst. Die einzelnen Faktoren waren eine qualitativ hochwertige Ernährung (oberste 40 Prozent des hPDI (healthful Plant-based Diet Index), ausreichende körperliche Aktivität gmessen als metabolischer Äquivalenzwert MET (≥7,5 MET‑h/Woche), Nichtrauchen, sieben bis neun Stunden Schlaf, kein häufig exzessiver Alkoholkonsum, gute Stressbewältigung, soziale Einbindung sowie keine Opioidgebrauchsstörung.
GLP‑1‑Rezeptoragonisten wie Liraglutid und Semaglutid wurden über Verordnungsdaten der Veterans Health Administration als zeitvariabler Expositionsfaktor erfasst. Insgesamt hatten 13.394 Teilnehmende jemals eine GLP‑1‑Therapie erhalten, der Rest erhielt eine Standardbehandlung ohne einen GLP‑1-Agonisten.
Zwischen Lebensstilscore und MACE bestand ein ausgeprägter Dosis-Wirkungs-Zusammenhang. Die Inzidenz für ein schweres kardiovakuläres Ereignis sank von 199 auf 88 Ereignisse pro 10.000 Personenjahre zwischen den Kategorien 0/1 versus 8 Punkte. Nach multivarianter Adjustierung lag die Hazard Ratio (HR) für MACE bei 0,40. Alle acht Einzelkomponenten waren jeweils unabhängig mit einem geringeren Risiko assoziiert.
Unabhängig davon war die GLP‑1‑Therapie mit einer HR von 0,84 für MACE gegenüber einer Standard-Versorgung assoziiert und dies konsistent über die Endpunkte Myokardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärem Tod.
Wurde der Lebensstil mit einer GLP-1-Intervention kombiniert, zeigten sich additive Effekte. Im Vergleich zu Personen ohne GLP‑1‑Therapie, die höchstens drei gesunde Lebensstilfaktoren beachteten, betrug die adjustierte HR für MACE 0,78. Wurden hingegen sechs bis acht gesunde Lebensstilfaktoren umgesetzt, betrug die adjustierte HR für MACE 0,67 – selbst ohne GLP-1-Therapie.
Die niedrigste Risikokonstellation fand sich jedoch bei gleichzeitiger GLP‑1‑Therapie und sechs bis acht gesunden Maßnahmen mit einer HR von 0,57, was einer relativen Risikoreduktion von 43 Prozent gegenüber einem ungesunden Lebensstil ohne GLP‑1-Intervention entspricht.
Die Forschenden werteten die Daten sehr kritisch aus und stützen ihre Ergebnisse durch umfangreiche Sensitivitätsanalysen, darunter Per‑Protocol-Auswertungen, Ausschluss kurzer GLP‑1‑Exposition (unter zwölf Wochen) sowie Störfaktoranalysen. Dabei blieb die Risikoreduktion stabil oder sie verstärkte sich sogar.
Einschränkungen ergeben sich allerdings durch das rein beobachtende Design der Studie, durch die einmalige Baseline‑Erhebung des Lebensstils sowie durch die eingeschränkte Generalisierbarkeit auf eine überwiegend männliche Veteranenkohorte.
Dennoch unterstreicht die Studie, dass Lebensstilinterventionen trotz der breiten Einführung wirksamer Inkretintherapien ein zentrales Element der kardiovaskulären Prävention bei Typ‑2‑Diabetes bleiben. Zugleich legen die Daten nahe, dass eine konsequente Kombination aus strukturierter Lebensstilmodifikation und GLP‑1‑basierter Pharmakotherapie über den Effekt einzelner Strategien hinausgeht.