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TI 2.0

Gesellschafter fühlen sich von Gematik überrumpelt

In der Öffentlichkeit kam das Whitepaper aber anscheinend anders an. Die Autoren des Brandbriefs werten das »unabgestimmte Vorgehen« als »völlig kontraproduktiv« – gerade vor dem Hintergrund der Einführung neuer Anwendungen wie der elektronischen Patientenakte (EPA) und dem E-Rezept und den »enormen Anstrengungen«, die die Bundesverbände der Leistungserbringer in die Überzeugungsarbeit ihrer Mitglieder steckten. Derzeit fordern Gematik und BMG von den Leistungserbringern, mehr Anstrengungen in die Einführung des elektronischen Heilberufsausweises (HBA) zu stecken. Zugleich würden die Verbände bei den Mitgliedern für eine zeitnahe Beantragung werben.

Die Veröffentlichung des Whitepapers habe nun mit einem Schlag einen Großteil dieser langsam fruchtenden Überzeugungsarbeit zunichte gemacht, so der Vorwurf. Zahlreiche Ärzte und Zahnärzte hätten sich bei ihren Kassenärztlichen Vereinigungen beschwert und wütend gefragt, warum sie sich etwas zulegen sollten, was qua Gematik-Whitepaper als mittelfristig obsolet beschrieben wird. Auch bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) seien zahlreiche Anfragen nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit einer TI-Anbindung auf Basis der derzeit verfügbaren Komponenten eingegangen, heißt es.

Auch Leyck Dieken hatte im PZ-Gespräch von zahlreichen Anfragen bei der Gematik berichtet, von Leistungserbringern, die wissen wollten, ob sie sich noch neue Konnektoren kaufen müssen, bis eine Migration in die TI 2.0 abgeschlossen ist. Denn die ersten dieser Geräte, die etwa die Praxen mit der TI verbinden, laufen bereits Ende kommenden Jahr aus.

Die Gesellschafter sind sauer über das aus ihrer Sicht eigenmächtige Vorgehen der Gematik. Der auch von »Leyck Dieken propagierte Anspruch einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit«, die auch einen »Vertrauensvorschuss gegenüber der Gematik bedingen sollte«, sei mit der unabgestimmten Aktion »beschädigt« und »grundsätzlich konterkariert«. Die Leistungsorganisationen fordern den Gematik-Chef nachdrücklich auf, »die Hinweise und Aufträge, die in den Gremien der Gematik gemeinsam festgehalten werden, ernst zu nehmen und gemeinsam mit Ihren Gesellschaftern an der Umsetzung zu arbeiten«.

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