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Risiken bei Organspenden

Gerichtsstreit um mangelnde Aufklärung

Zwei Organspender streiten am heutigen Dienstag vor dem Bundesgerichtshof (BGH) um Schmerzensgeld und Schadenersatz wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen seit den Eingriffen.
dpa
PZ
13.11.2018
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Sie sind der Ansicht, dass sie an der Uniklinik Essen nicht korrekt über die Risiken aufgeklärt wurden, und haben die Klinik und Ärzte dort verklagt. Beide hatten nahen Angehörigen eine Niere gespendet. Seither leiden sie nach eigener Darstellung an Niereninsuffizienz und chronischer Erschöpfung. Bisher hatten sie mit ihren Klagen keinen Erfolg.

Die Gerichte der Vorinstanzen stellten zwar fest, dass es bei der Aufklärung Mängel gab. Sie waren aber überzeugt, dass beide auch dann die Niere gespendet hätten, wenn sie sämtliche Risiken gekannt hätten. Der BGH kann sein Urteil direkt am Verhandlungstag verkünden oder dafür einen eigenen Termin ansetzen. (Az. VI ZR 318/17 u.a.)

Die Organspende in Deutschland ist seit Längerem Gegenstand von Diskussionen. Seit Manipulationen von Wartelisten bekannt wurden, sank die Zahl der Organspender gravierend. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kündigte jetzt an, bis Jahresende einen gemeinsamen Antrag zur Neuregelung von Organspenden in Deutschland vorzulegen. Mit der so genannten Widerspruchslösung würde jeder automatisch zum potenziellen Organspender, wenn er zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht. Geht das nicht mehr, würden seine Angehörigen befragt. Bislang gilt in Deutschland die so genannte Entscheidungslösung, wonach Organentnahmen nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Betroffenen oder seiner Angehörigen erlaubt sind.

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