Die Erreger von Magen-Darm-Infekten sind hoch ansteckend. Mit einfachen Hygieneregeln kann man das Risiko einer Ansteckung verringen. / © Getty Images/VIJ
Wer von Magen-Darm-Fällen in der Kita des Kindes oder am Arbeitsplatz hört, dürfte schnell in einen Alarmmodus wechseln. Um zu verhindern, dass er oder sie andere in der Familie oder WG ansteckt, kommt es auf strenge Hygiene an, wie Gastroenterologin Dr. Petra Jessen sagt. Noroviren und Co. sind nämlich hochansteckend. Daher hat fast jeder schon einmal – oder sogar mehrmals – eine Magen-Darm-Grippe durchgemacht.
Die Symptome einer sogenannten Gastroenteritis melden sich oft ganz plötzlich. Heftige Übelkeit, wässriger Durchfall, starker Brechreiz: Nichts bleibt im Körper und man kommt von der Toilette kaum weg. Dazu kommen oft schmerzhafte Bauchkrämpfe, manchmal auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Kurz: Man wünscht sich einfach nur, dass es wieder bergauf geht.
Was hilft dabei? Und wann wird es kritisch für den Körper? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Bei einer Magen-Darm-Grippe handelt es sich meist um eine Entzündung der Magen-Darm-Schleimhaut. »Auslöser sind häufig Viren wie Noroviren oder Rotaviren, Bakterien wie Salmonellen und E.coli und manchmal auch Parasiten«, sagt Professor Dr. Birgit Terjung. Sie ist Chefärztin der Abteilung für Innere Medizin und Gastroenterologie an den GFO Kliniken in Bonn.
Die Übertragung erfolgt vor allem durch Schmierinfektionen. Startpunkt sind dabei kleinste Spuren von Stuhl oder Erbrochenem, die an Händen oder beispielsweise Türklinken, Armaturen oder Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln haften.
Wer in diese Spuren hineinfasst und sich dann zum Beispiel in den Mund packt, kann sich mit den Erregern infizieren – und mitunter schon nach wenigen Stunden Symptome entwickeln. In der Regel beginnen die Beschwerden 4 bis 48 Stunden nach der Ansteckung.
Übrigens: »Eine Ansteckung ist auch durch den Verzehr verunreinigter Lebensmittel möglich«, erklärt Jessen. Möglich sind auch Tröpfcheninfektionen, also Ansteckungen durch das Einatmen von Viren einer Person, die sich erbrochen hat.
Die Symptome klingen meist nach wenigen Tagen wieder ab, Betroffene fühlen sich aber meist noch ziemlich geschwächt.
»Das ist nicht immer leicht, gerade, wenn man viel mit anderen Menschen zu tun hat«, sagt Jessen. Schlechte Nachrichten also für Eltern von Kita-Kindern.
Die Medizinerin rät, sich mehrmals am Tag und vor allem nach einem Toilettengang gründlich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Auch nach dem Kontakt mit rohem Fleisch oder Fisch ist Händewaschen angesagt.
Außerdem kann man das Risiko für lebensmittelbedingte Infektionen senken, indem man auf gute Küchenhygiene achtet. Das heißt konkret:
Ist ein Familienmitglied erkrankt, kann man mit bestimmten Verhaltensregeln das Infektionsrisiko der übrigen Familienmitglieder senken. Jessen, die auch Vorstandsmitglied des Berufsverbands Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng) ist, gibt dafür folgende Tipps:
Viel kommt raus, wenig geht rein – dadurch besteht die Gefahr, dass der Körper austrocknet. »Wichtig ist also, den enormen Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen, der durch Durchfall und Erbrechen verursacht wird, auszugleichen«, sagt Terjung.
Man sollte also versuchen, regelmäßig zu trinken – am besten in kleinen Schlucken, damit der Magen nicht direkt rebelliert. Wasser und ungesüßter Tee eignen sich Terjung zufolge gut.
Mit der Flüssigkeit sollte man auch Mineralstoffe sowie Salz und Zucker zu sich nehmen. »Hierfür gibt es in Apotheken speziell zusammengesetzte Mischungen mit Mineralstoffen, Salz und Zucker im richtigen Verhältnis«, so Terjung. Wer mag, kann es auch mit den beliebten Hausmitteln Cola und Salzstangen probieren.
In den ersten ein, zwei Tagen können Betroffene meist noch nicht mal an Essen denken. Wer dann erste Bissen wagen möchte, dem rät Jessen zu Schonkost. Also zum Beispiel zu Zwieback, Reis, Kartoffeln, Banane oder geriebenem Apfel – Hauptsache leicht verdaulich. »Auf Alkohol und Kaffee unbedingt verzichten, da dies die Magenschleimhaut weiter reizt«, sagt die Medizinerin.
Sind die Beschwerden nach drei Tagen – bei Kindern nach ein bis zwei Tagen – nicht abgeklungen, ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen.
»Bei Säuglingen, Schwangeren, Älteren sowie Menschen mit Vorerkrankungen ist es empfehlenswert, umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen«, sagt Jessen. Ebenfalls umgehend die Hausarztpraxis kontaktieren sollte man etwa bei Blut im Stuhl.
»Anzeichen sind beispielsweise sehr trockene Lippen und eine sehr trockene Zunge«, erklärt Terjung. Dehydrierte Menschen können zudem verwirrt oder lethargisch wirken. Und auch eine abnehmende Elastizität der Haut ist ein wichtiger Hinweis.
Heißt konkret: Hautfalten bleiben stehen, wenn man sie etwa am Handrücken oder Bauch leicht anhebt oder loslässt. »Solche Anzeichen sind ein medizinischer Notfall«, so Terjung. Das gilt vor allem bei Kindern, Älteren sowie immungeschwächten Menschen.
Es kommt darauf an. »In der Regel heilt eine Magen-Darm-Grippe innerhalb von wenigen Tagen von selbst«, sagt Jessen. Aus ihrer Sicht ist es nicht unbedingt hilfreich, ein Medikament gegen Durchfall und Erbrechen einzunehmen. Schließlich sind beides natürliche Abwehrmechanismen, um den Erreger aus dem Körper hinauszubefördern.
»Kurzfristig kann ein Medikament aber hilfreich sein, um bei Durchfall die Abstände zwischen den Toilettengängen etwas zu verlängern«, sagt Petra Jessen. Bei Fieber dürfen aber solche Medikamente nicht eingenommen werden.