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Arbeitnehmer von morgen

Generation Z in der Apotheke

Verschiedene Generationen sind geprägt von unterschiedlichen Wertevorstellungen und Erwartungen an die Zukunft. Was konkret unterscheidet die Arbeitnehmer von heute und morgen und was bedeutet das für die Arbeitswelt? Dieser Frage widmete sich Soziologin Kathrin Peters in einem wissenschaftlichen Vortrag beim diesjährigen BAK-Symposium zum Thema »Generation Z in der Apotheke«.
Michelle Haß
23.04.2021  09:00 Uhr

Als Generation Z bezeichnen Soziologen Menschen, die zwischen den Jahren 1995 und 2010 geboren wurden. Das sind heute Schüler, Auszubildende und Studierende und somit die Arbeitnehmer von morgen. Ihre Werte unterscheiden sich stark von denen der Babyboommer (ab 1959), der Generation X (1965) und Y (ab 1980). »In der Generation Z gibt es zwei wesentliche Unterschiede zu ihren Vorgänger-Generationen: Sie ist die kleinste Generation und hat einen enormen Wissensvorsprung im Umgang mit digitalen Medien«, leitete Kathrin Peters vom Institut für Generationenforschung in Augsburg ihren Vortrag ein. Diese Unterschiede bedeuteten auch Änderungen für die Arbeitswelt.

»Vor allem der technische Fortschritt und das Internet prägen die Genration Z.« Hinzu komme, dass sie flächendeckend das gleiche Gerät nutzen. Das habe es bisher noch nie gegeben. Zur Veranschaulichung nannte Peters einige Zahlen: 99 Prozent der Jugendlichen nutzen ein Smartphone, im Schnitt kommunizieren sie am Tag vier Stunden über digitale Medien und scrollen täglich 178 Meter mit ihrem Daumen über den Handybildschirm . Da sie sich in der digitalen Welt so gut zurechtfinden, fast wie Eingeborene, nenne man diese Generation auch »Social Media Natives«. Doch diese Fähigkeit habe auch ihre Schattenseite: »In der analogen Welt sind sie vermehrt auf Hilfe angewiesen«, machte Peters deutlich. Das könne vor allem an Arbeitsplätzen, die in der »wirklichen Welt« stattfinden, zu Problemen führen. Dazu zählt auch die öffentliche Apotheke, in der der direkte »Face-to-Face- Kontakt« mit dem Kunden alltäglich sei.

Dennoch warnte Peters vor Pauschalisierungen oder davor, Vorurteile gegenüber der digitalen Affinität der Generation zu haben. »Was heute das Smartphone ist, war früher vielleicht einfach die Zeitung.«

Behütete Generation

Die benötigte Hilfe in der anlogen Welt würden die sogenannten Zler häufig von ihren Eltern, die meist ein schützendes Netz über ihre Kinder aufspannen, erfahren. Das Problem: Dadurch könnten junge Menschen seltener lernen, Bewältigungsstrategien für problembehaftete Situationen, sogenannte Coping-Strategien, auszubilden. Zudem gebe es in dieser Generation kaum ein Abgrenzungsverhalten zu den Eltern. Vielmehr seien sie die besten Freunde oder Mentoren. Teilweise orientierten sich Zler an den Meinungen der Eltern und würden sogar deren Wertestruktur übernehmen.

»Mit der Genration Z haben wir eine sehr unsichere Generation, die in der analogen Welt häufig auch auf die Entscheidungen ihrer Eltern angewiesen sind«, fasste Peters zusammen. Für den Arbeitsmarkt und den Bewerbungsprozess bedeutet dies: »Eltern müssen immer mitgedacht werden.«

Generell nehme Familie einen sehr hohen Stellenwert ein. Ausreichend Zeit für diese zu haben, sei bei der Berufswahl inzwischen wichtiger als ein hohes Einkommen. Besonders sei außerdem, dass sich der Stellenwert der Familie zwischen den Geschlechtern angleiche. Traditionell würde man vermuten, dass Frauen diesen Faktor höher bewerten. »Aber von solchen Rollenverteilungen muss man bei der Generation Z Abschied nehmen.«

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