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E-Rezept

Gematik-App: Was muss mein Smartphone dafür können?

Das E-Rezept ist schon bald Teil des Versorgungsalltags. Rund um die Gematik-App, die den Verordnungsprozess managen soll, herrschen aber noch Unklarheiten. Die Gematik klärt einige Punkte auf Anfrage der PZ auf.
Jennifer Evans
22.10.2020  09:54 Uhr

Viele Patienten und Apotheker beschäftigt die Frage, ob die Gematik-App auf jedem Smartphone nutzbar sein wird. Und ob eine vorherige Anmeldung mit der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) dafür eine Grundvoraussetzung ist. Ungeklärt scheint vielen außerdem, ob das Smartphone des Nutzers grundsätzlich eine Near Field Communication (NFC)-Schnittstelle besitzen muss, damit die Anwendung funktioniert. Die NFC ist etwa dann relevant, wenn der Patient die Rezeptinformation aus der Telematikinfrastruktur (TI) empfangen möchte, um beispielsweise eine Verfügbarkeitsanfrage zu einem Präparat zu stellen.

Generell soll die E-Rezept-App nach Angaben der Gematik auf allen Smartphones laufen, die mindestens Android 6 als Betriebssystem haben. Das heißt praktisch bis hin zu alten Modellen aus dem Jahr 2015. Bei dem Betriebssystem iOS muss es sich mindestens die Version iOS 13 handeln. Damit funktioniert die App noch auf dem iPhone 6 von 2015. Wie die Gematik hervorhebt, unterstützt die neue digitale Anwendung damit aktuell mehr als 10.000 verschiedene Smartphone-Modelle. Ziel ist es demnach aber, sie künftig für mehr als 95 Prozent der auf dem Markt befindlichen Geräte anwendbar zu machen, wobei derzeit nicht alle Mobiltelefone über eine NFC-Schnittstelle verfügen. »Der Patient kann die E-Rezept-App der Gematik auch nutzen, wenn er ein Smartphone-Modell ohne NFC-Modul nutzt beziehungsweise, wenn keine elektronische Gesundheitskarte mit NFC vorliegt«, verspricht die Gesellschaft. Benutzern, deren Geräten eine solche Schnittstelle fehlt, stehen dann zwar nicht alle Funktionen der Gematik-App zur Verfügung, aber die wichtigsten Grundfunktionen laufen bei jedem Anwender.

Und das umfasst folgende: Das E-Rezept-Token abfotografieren, einscannen und speichern sowie die elektronische Verordnung im Anschluss in einer Apotheke einlösen. Dass diese zentralen Features der App für jeden nutzbar sind, ist für die Patienten aus Sicht der Gematik eine gute Möglichkeit, Vertrauen in die Digitalisierung des Gesundheitswesens und das E-Rezept aufzubauen.

Nach Anmeldung mehr Funktionen

Das »volldigitale Anwendungsszenario« rund um die Einlösung des E-Rezepts bietet die Gematik-App aber erst nach erfolgreicher Anmeldung in der App. »Dafür sind neben einem NFC-Modul im Handy auch eine NFC-fähige elektronische Gesundheitskarte sowie ein dazugehöriger PIN notwendig«, heißt es. Die Kassen haben den gesetzlichen Auftrag, ihre Versicherten zeitnah mit einer solchen EGK auszustatten. Eine entsprechende Übergangszeit hat die Gematik nach eigenen Angaben bereits eingeplant. Der Wunsch der Gesellschaft ist es nämlich, dass die App gleich von Beginn an funktionsfähig und nutzerfreundlich ist. 

Geplant ist darüber hinaus, auf dem Ausdruck des E-Rezepts Informationen zur Anwendung zu geben sowie die Vorteile des digitalen Prozesses vorstellen. »Damit möchten wir in der Übergangszeit weitere Anwender der E-Rezept App dazugewinnen und sind derzeit im Austausch mit der zuständigen Formularfachkommission der Kassenärztlichen Bundesvereinigung«, so die Gematik.

Auf Wunsch des Patienten bleibt es aber auch weiterhin möglich, mit dem Ausdruck des E-Rezepts in die Apotheke zu gehen. Auf die Frage, ob der Patient dann nicht theoretisch den QR-Code auf dem gedruckten Rezept abfotografieren und diesen anderen Anbietern bereitstellen kann – ohne die geplante Weiterleitungsfunktion der Gematik-App zu nutzen und so gegebenenfalls auf Datenschutz zu verzichten oder von etwaigen Lockangeboten zu profitieren, antworte die Gesellschaft: »Welche weiteren Apps am Markt von Dritten angeboten werden und wie sicher diese sind, können wir als Gematik nicht beeinflussen.« Auch liege es außerhalb des Einflussbereiches der Gematik, welche Werbemaßnahmen in diesem Zusammenhang angeboten würden.

Entschlüsselung nur mit Gematik-App möglich

Sie weist allerdings darauf hin, dass die sensiblen Gesundheitsdaten in jedem Fall sicher sind. Da auch ein Drittanbieter diese erst nach einer Authentifizierung in der TI mithilfe der EGK oder in einer Apotheke entschlüsseln kann. Geht es nach der Gematik, sollten Patienten bestenfalls grundsätzlich die App der Gesellschaft nutzen, um damit ihre E-Rezept zu verwalten. Denn die Anwendung verfüge zudem über ein »wettbewerbsneutral aufgeführtes Verzeichnis« von Online- und Offizin-Apotheken, denen man das E-Rezept zuweisen könne. In diesem Zusammenhang betont die Gematik noch einmal, dass eine elektronische Verordnung grundsätzlich nur aus dieser App heraus empfangen und direkt weitergeleitet werden kann. ­­

Bei der Expopharm Impuls hatte Gematik-Chef Markus Leyck Dieken gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung bereits hervorgehoben, dass die Apotheker eine gute Chance im App-Wettbewerb beim E-Rezept haben: Nämlich dann, wenn sie ihr rotes Markenzeichen klar spielen.

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