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Brief an den Minister

Funke erklärt Lauterbach die Apothekennöte

Apotheken sind für geplante Einsparungen im Gesundheitssystem die falsche Adresse. Um Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD) dies noch einmal klarzumachen, hat die hessische Kammerpräsidentin Ursula Funke ihm jetzt einen Brief geschrieben.
Cornelia Dölger
20.09.2022  11:30 Uhr
Funke erklärt Lauterbach die Apothekennöte

Auch wenn Karl Lauterbach (SPD) am vergangenen Mittwoch in seinem digitalen Grußwort zur Eröffnung des Apothekertags viele warme Worte für die Leistungen der Apothekerschaft fand – am Ende blieb er dabei: Die mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz geplante zeitweise Anhebung des Kassenabschlags von 1,77 auf 2 Euro soll kommen – allem Protest seitens der Branche zum Trotz. Das veranlasste Hessens Kammerpräsidentin Ursula Funke, sich im Nachgang noch einmal direkt an den Bundesgesundheitsminister zu wenden. In einem persönlichen Brief, der der PZ vorliegt, betonte sie wie bereits in München, wie angespannt die Finanzlage der Apotheken ist.

Als »Honigschmieren ums Maul« könnten seine lobenden Worte interpretiert werden angesichts der Tatsache, dass mit ihnen Ankündigungen für Einsparungen einhergingen, so die Kammerpräsidentin. Für eine gute und sichere Versorgung der Menschen bedürfe es vielmehr einer sicheren und soliden wirtschaftlichen Grundlage – »die leider nicht gegeben ist«.

Anstatt zu klatschen und Anerkennung zu äußern, müsse der Politik die Lage der Apotheken klar werden, die insbesondere während der Pandemie einmal mehr mit ihren Teams »geräuschlos und absolut zuverlässig« zahlreiche Zusatzaufgaben gestemmt hätten.

Höhere Betriebs-, Energie- und Lohnkosten

Massiv steigende Betriebskosten belasteten die Apotheken ungemein, so Funke weiter. Höhere Energie- sowie Lohnkosten kämen hinzu. Letztere seien freilich nötig, um dem überbordenden Personalmangel in den Offizinen zu begegnen, »damit wir in den Apotheken überhaupt noch eine gewisse Attraktivität haben«. Zum Kostenanstieg und dem Nachwuchsmangel komme hinzu, dass die Apotheken seit nunmehr neun Jahren auf eine Anpassung ihres Fixhonorars warten müssten. »In dieser Situation, in der wir eigentlich deutlich mehr Geld im System brauchen würden, halten Sie es für gerechtfertigt, uns weiter zu belasten«, warf Funke dem Minister vor.

Dass er erklärt habe, die vielbeschworenen Effizienzreserven müssten bei allen Leistungserbringern gehoben werden, nur um eine Stunde später öffentlich zu verkünden, dass das Ärztehonorar im kommenden Jahr angehoben werde, sei eine »klatschende Ohrfeige für alle in den Apotheken tätigen Menschen«. Und noch einmal zur Erinnerung: Der Anteil der Apotheken an den Gesamtausgaben der GKV liege bei insgesamt 1,9 Prozent – die Verwaltungsausgaben der GKV lägen mit 4,5 Prozent deutlich höher.

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