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Multimorbidität

Für diese 21 Krankheiten erhöht Fettleibigkeit das Risiko

Diabetes, Arthrose und Schlafstörungen dabei

Zur Verfeinerung der Multimorbiditätsanalysen wurden 21 fettleibigkeitsbedingte Krankheiten, darunter endokrine (alle Formen von Altersdiabetes), kardiovaskuläre (Bluthochdruck, Angina pectoris, Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Hirninfarkt, tiefe Venenthrombose, Lungenembolie), verdauungsbedingte (Pankreatitis, Lebererkrankungen), Infektionskrankheiten (bakterielle Infektionen), Erkrankungen des Bewegungsapparats (Gicht, Arthrose, Rückenschmerzen), Atemwegserkrankungen (Asthma), bösartige Erkrankungen (Nierenkrebs), Hauterkrankungen (Hautinfektionen und Ekzeme), Blutkrankheiten (Anämie), Erkrankungen des Urogenitalsystems (Nierenversagen) und Erkrankungen des Nervensystems (Schlafstörungen, vor allem Schlafapnoe), in Betracht gezogen.

Ein gesteigertes Risiko für die Entwicklung einer dieser Erkrankungen machte sich ab einem Alter von 30 Jahren für eine einfache Multimorbidität (zwei Krankheiten) und ab einem Alter von 45 Jahren für eine komplexe Multimorbidität bemerkbar. Mit steigendem Alter stieg das Risiko signifikant.

Jeder zweite Adipöse hat im Alter mindestens zwei weitere Erkrankungen

Der Anteil der Teilnehmer von Patienten mit einfacher oder komplexer Multimorbidität unter Normalgewichtigen im Alter von 75 Jahren wurde bei Adipösen mit einer einfachen Multimorbidität bereits mit einem Alter von 53,6 Jahren und bei Adipösen einer komplexen Multimorbidität mit 55,0 Jahren erreicht. Mit 75 Jahren litten 53,3 Prozent der adipösen Erwachsenen dann mindestens an zwei Erkrankungen, die mit einer Adipositas in Verbindung gebracht werden. Bei den normalgewichtigen waren es nur 8,3 Prozent. An vier und mehr Krankheiten litten im Alter von 75 Jahren 8,3 Prozent der Adipösen, jedoch nur 1,0 Prozent der Normalgewichtigen.

Im Vergleich zu Normalgewichtigen betrugen die um Störfaktoren bereinigten relativen Risiken für die Entwicklung mindestens einer mit Adipositas zusammenhängenden Krankheit 2,83, für zwei Krankheiten 5,17 und für eine komplexe Multimorbidität 12,39.

Abnehmen verhindert andere Erkrankungen

Die der Bevölkerung zurechenbaren Anteile (Population Attributable Fractions, PAFs) betrugen 19,9 Prozent, 34,4 Prozent und 55,2 Prozent. Dies bedeutet, dass bei 20 Prozent mindesten eine mit Adipositas zusammenhängende Krankheit, bei mindesten einem Drittel zwei mit Adipositas zusammenhängende Krankheiten und mehr als der Hälfte eine komplexe Multimorbidität vermieden werden könnte, wenn alle Erwachsenen ein normales Körpergewicht aufweisen würden. Diese Zahlen beziehen sich auf die finnische Bevölkerung, in der 18,5 Prozent der Erwachsenen adipös sind.

Am häufigsten fanden die Autoren Typ-2-Diabetes assoziiert mit Adipositas. Es folgten mit absteigendem relativen Risiko Schlafstörungen, Schwangerschaftsdiabetes, Gicht, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, chronisches Nierenversagen, Lungenembolie, Arthrosen, tiefe Venenthrombose, bakterielle Infektionen und Hautinfektionen/Ekzeme, die alle mindestens doppelt so häufig bei adipösen Menschen auftraten wie bei Normalgewichtigen.

Dieses Bild hielt der Überprüfung durch die britische Biobank-Kohorte sehr gut stand. Zwar waren die Effekte dort leicht schwächer ausgeprägt. Allerdings war auch in dieser Kohorte eine Adipositas mit allen 21 Krankheiten assoziiert, die in den finnischen Kohorten identifiziert worden waren.

Wieder einmal bestätig eine große epidemiologische Studie das erhebliche Gesundheitsrisiko, das mit einem krankhaften Übergewicht assoziiert ist. Dies nachhaltig zu vermitteln, bleibt eine Herausforderung.

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