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Ausstellung in Mannheim
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Frühstück – Realität wird Kunst

Zwischen Wiederaufbau, Konsumrausch und Kriegsnachwirkungen entsteht Ende der 1950er-Jahre eine neue, radikale Sicht auf die Wirklichkeit. Künstler holen die materielle Welt in die Kunst. Eine Ausstellung der Kunsthalle Mannheim zeigt, wie der Nouveau Réalisme Großstadt, Alltag und Körper zu Schauplätzen macht und die Grenze zwischen Leben und Kunst auflöst.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 14.07.2026  13:30 Uhr

In den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren erlebt die Welt viele Umbrüche. Wiederaufbau und Industrialisierung treiben den Konsum an, technologische und wissenschaftliche Innovationen verändern den Alltag – zugleich wirken die Traumata des Krieges nach. Zwischen Fortschrittsoptimismus und Katastrophenbewusstsein entsteht eine neue Wahrnehmung der Wirklichkeit, die sich radikaler Ausdrucksformen bedient – der Nouveau Réalisme.

Die Kunst löst sich von klassischen Formen wie Malerei oder Bildhauerei und wendet sich der materiellen Welt zu. Nicht mehr die individuelle Handschrift der Schaffenden steht im Mittelpunkt, sondern das reale Ding als künstlerisches Objekt. Die Grenze zwischen Kunst und Leben verschwindet.

Im Zentrum der Ausstellung, die derzeit in der Mannheimer Kunsthalle zu sehen ist, steht die moderne Großstadt – ein Ort permanenter Veränderung. Auf den Straßen finden Künstlerinnen und Künstler ihre Materialien: Schrott und Müll, Gebrauchsgegenstände, Verpackungen, abgerissene Plakate. Diese Dinge sind zugleich Zeitzeugnisse und kritische Instanzen, die unsere Wahrnehmung herausfordern. Was ist Realität, was Darstellung?

Internationale Bewegung

Der Nouveau Réalisme ist eine internationale Bewegung, die den Alltag zum Schauplatz macht. Sie entstand parallel in Paris, London, Mailand, Stockholm und Düsseldorf, aber ebenso in New York, Buenos Aires und Tokio.

In dieser Kunstströmung tritt der menschliche Körper nicht nur als handelndes Subjekt auf, sondern als Spur, Fragment oder Abformung. Körperabdrücke verweisen auf Menschen, die physisch nicht mehr anwesend sind, deren Präsenz jedoch materiell fortbesteht.

Künstler wie Jasper Johns, Alina Szapocznikow und César nähern sich dem Körper über den Abguss; George Segal zeigt ihn als Gipsfigur neben Alltagsobjekten wie Stühlen oder Fahrrädern. Gérard Deschamps integriert getragene Kleidung in seine Werke, wodurch die Stoffe auch erotische und anthropologische Dimensionen bekommen.

Lebende Pinsel

Schatten und Widerhall von Körpern spielen bei Lourdes Castro eine zentrale Rolle: Mithilfe von Siebdruck und Acrylglas hält sie flüchtige Silhouetten fest. Yves Klein macht weibliche Modelle zu »lebenden Pinseln«, deren bemalte Körper Spuren auf Leinwänden hinterlassen.

Und schließlich verkörpern die bunten Frauenfiguren von Niki de Saint Phalle ein neues, selbstbewusstes Frauenbild, das den eigenen Körper positiv bewertet und traditionelle Geschlechterrollen hinterfragt.

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