Pharmazeutische Zeitung online
Möglicher präventiver Ansatz

Frühe Intervention verringert Ausprägung von Autismus

So früh wie möglich intervenieren

Professor Dr. Marie Schaer, Leiterin der auf Autismus spezialisierten Ambulanz in Genf, Schweiz, beurteilt die australische Studie positiv: »Diese Studie ist von großer Bedeutung für das Forschungsfeld Autismus: Die Autoren demonstrieren sehr gründlich, dass wir wirksame Interventionen anbieten können, noch bevor Autismus diagnostiziert werden kann.« Schon seit Längerem sei bekannt, dass bei dieser neurologischen Entwicklungsstörung so früh wie möglich eingegriffen werden müsse, um Entwicklungsdefizite zu minimieren.

Bisherige Interventionen, die bei den Kindern ansetzen, hätten keinen Erfolg gezeigt, ergänzt Dr. Sanna Stroth von der Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen, Philipps Universität Marburg. »Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung mangelt es oft an sozialer Aufmerksamkeit und sozialer Motivation und für Eltern ist es dann nicht leicht, mit ihren Kindern im spielerischen Austausch zu bleiben und das kindliche Verhalten richtig zu interpretieren und zu verstehen.« Die australische Untersuchung setze bei den Eltern an und versuche, diese in ihrem Interaktionsverhalten zu unterstützen. Dadurch würden für die Kinder Interaktionsmöglichkeiten und damit einhergehende Lernmöglichkeiten geschafft, in denen sie ihre sozial kommunikativen Fertigkeiten entwickeln können.

Dr. Ronnie Gundelfinger von der Universität Zürich ist überzeugt, dass neben iBASIS-VIPP auch andere Methoden, die die Interaktion zwischen Eltern und Kind fördern, positive Resultate erzielen können. Er hält es für wichtig, nicht auf eine gesicherte Diagnose zu warten, bevor man Behandlungen beginnt. »High-Risk-Kinder und Kinder mit autistischen Symptomen sollten so früh wie möglich erfasst und behandelt werden.« Es seien aber nicht bei allen Kindern, bei denen später eine ASS diagnostiziert wird, so früh schon Anzeichen erkennbar. An besseren Früherkennungsverfahren wie Eye Tracking werde gearbeitet. »Es darf aber kein Argument gegen die Intervention sein, dass man eventuell nicht alle Kinder mit zukünftiger Diagnose erfasst«, so Gundelfinger.

Seite<12

Mehr von Avoxa