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Winter

Frostschutz-Fahrplan für die Haut

Wenn es draußen kalt wird, brechen für die Haut raue Zeiten an. Normalerweise wehrt der natürliche Fettfilm, der die Hautoberfläche überzieht, schädliche äußere Einflüsse ab und bewahrt die Haut vor Austrocknung. Machen ihm allerdings Kälte, Wind und Heizungsluft zu schaffen, braucht er winterfeste Pflege.
Elke Wolf
14.01.2019
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Eiseskälte draußen und Heizungsluft innen bedeuten das reinste Wechselbad für die Haut. Sie legen diese förmlich aufs Trockene, indem sie die Permeabilitätsbarriere, den Hydrolipidmantel und die Wasserbindungskapazität der Hornschicht stören. So kann mehr Wasser aus tiefer gelegenen Hautschichten entweichen, und der transepidermale Wasserverlust nimmt zu. Die Verdunstungsrate erhöht sich in den Wintermonaten sogar noch, denn kalte Schneeluft enthält bedeutend weniger Feuchtigkeit als warme Luft.

Außerdem drosseln die Talgdrüsen bei niedrigen Temperaturen ihre Aktivität; unter 8°C stellen sie ihre Arbeit komplett ein und die Talgproduktion versiegt vollends. Demzufolge wird der hauteigene Hydrolipidmantel angegriffen, er wird immer löchriger. Woll- und Rollkragenpullover tun ihr Übriges und trocknen die Haut zusätzlich aus. Da Wasser und Fett für die Geschmeidigkeit und Elastizität der Hautoberfläche von entscheidender Bedeutung sind, tritt bald ein unangenehmes Spannungsgefühl auf, begleitet von Juckreiz und Schuppenbildung.

Die Witterungsverhältnisse machen selbst der normalen bis Mischhaut Beschwerden, empfindliche oder eher trockene Haut kann gänzlich kapitulieren. Die Tatsache, dass in den Wintermonaten die Zellregeneration ohnehin reduziert ist, facht den Prozess zusätzlich an. Abgestorbene Hautschuppen werden nicht mehr ohne Weiteres abgestoßen, die Haut erscheint fahl und grau. Alterungsprozesse werden leichter sichtbar. Patienten mit Hautkrankheiten wie Ekzemen oder Neurodermitis klagen im Winter über zunehmende Beschwerden.

Hydrolipidfilm stärken

Eines der wichtigsten Anliegen der Pflegekosmetik im Winter besteht deshalb in der Stabilisierung des Hydrolipidfilms, damit ihm die wechselhaften Witterungsverhältnisse nicht allzu sehr zusetzen und die Haut geschmeidig und elastisch bleibt. So sind in den Wintermonaten austrocknende Präparate wie alkoholhaltige Gesichtswässer, gewöhnliche Seife oder raue Peelings nicht zu empfehlen. Sie holen zu viel Talg und Fett von der Haut und reißen somit Löcher in den Schutzfilm. Alkalifreie, rückfettende Spezialseifen oder Reinigungsmilch (wie Weleda Mandel Reinigungsmilch) befreien das Gesicht schonend von Schmutzpartikeln. Zum Tonisieren eignet sich ein alkoholfreies Gesichtswasser mit beruhigenden Zusätzen oder Thermalwasser (zum Beispiel Avène mildes Gesichtswasser, Thermalwasser von Vichy oder La Roche-Posay). Für Hände und Körper sind Waschsyndets ideal, also milde Seifen mit hautähnlichem pH-Wert.

Im Winter sollten Pflegecremes einen höheren Lipidanteil enthalten. Es empfehlen sich zum Beispiel Wasser-in-Öl- Emulsionen, denen etwa Jojoba-, Weizenkeim-, Nachtkerzen-, Traubenkern- oder Borretschöl, Sheabutter, Phospholipide oder Ceramide zugesetzt sind (wie La Roche-Posay Nutritic Intense). Wichtig ist auch, dass das entsprechende Präparat über einen NMF, also einen Natural Moisturizing Factor, verfügt (wie Eucerin Hyal-Urea, Eucerin Hautglättende Gesichtscreme 5 % Urea). Dahinter verbergen sich Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff, Hyaluronsäure, Kollagen, Glycerol oder Milchsäure. Sie binden Wasser in der Haut und wirken der Verdunstung entgegen.

Extra-Tipps für die kalte Jahreszeit: Die Nachtcreme schützt auch gut am Tag, da sie ein Plus an Fetten enthält. Das Augengel des Sommers sollten Anwender durch eine Augencreme ersetzen. Noch mehr Fett und Feuchtigkeit bringen entsprechende Gesichtsmasken in die Haut, wenn sie zweimal wöchentlich angewendet werden (wie Derma Sel Revitalisierende Rosenmaske, Dr. Hauschka Revitalmaske). Auch die Lippen dürfen im Frostschutz-Fahrplan nicht fehlen, zumal sie nicht von einer Hornhaut geschützt werden. Mit einem Pflegestift oder Balsam mit natürlichen Wachsen oder Ölen sind sie gut geschützt (wie Dr. Hauschka Lippenpflegestift).

Neben einem hohen UV-Filter-Komplex brauchen Skifahrer, Langläufer und andere Wintersportler ohnehin eine besondere Pflege, da sie ihre Haut oft stundenlang Frost und Fahrtwind aussetzen. Eine zu stark wasserhaltige Pflege kann Erfrierungen verursachen. Ein spezieller Kälteschutzbalsam, weitgehend wasserfrei und besonders fettreich, kann verhindern, dass Wasser an der Hautoberfläche festfriert (zum Beispiel Excipial Mandelölsalbe, Weleda Calendula Wind- und Wetterbalsam). Nicht vergessen: Beim Aufenthalt in warmen Räumen ist die Kältecreme wieder zu entfernen, damit es keinen Wärmestau gibt.

Wannen-Wonnen

Nicht nur die Gesichtshaut leidet unter dem Winter. Versteckt unter Schals, Rollkragen und langen Hosen führen Hals, Dekolleté sowie die Haut an den Beinen ein Schattendasein. Gerade bei trockener Haut macht sich ein tägliches Pflegeprogramm bezahlt. Für die Körperreinigung eignen sich medizinische rückfettende Ölbäder, die kein Parfüm oder austrocknende Komponenten enthalten, dafür aber reich an pflanzlichen Ölen sind.

Sie werden von der Haut leicht aufgenommen und ersetzen besonders gut die fehlenden Lipide der Horn-Fett-Barriere, da die enthaltenen Öle eine ähnliche Struktur wie die körpereigenen Fette haben. Gleichzeitig bremsen medizinische Ölbäder den Feuchtigkeitsverlust der Hornschicht. Die Rückfettung sorgt für ein angenehm entspannendes Gefühl, juckende Haut beruhigt sich. Die Ölbäder eignen sich auch zum Duschen. Das Bad in der Wanne ist nur zur Pflege gedacht, nicht zur Reinigung. Deshalb: zuerst unter die Dusche und dann in die Wanne.

Spreitend oder emulgierend 

Die Technologen unterscheiden zwischen spreitenden Badezusätzen ohne oder mit sehr wenigen Tensiden (zum Beispiel Excipial Mandelölbad) und emulgierenden Zusätzen mit Tensiden. Letztere enthalten beispielsweise Soja- oder Erdnussöl (zum Beispiel Balneum Hermal, Ölbad Cordes), Paraffinum liquidum (zum Beispiel Linola-Fett Ölbad) oder Mandelöl (zum Beispiel Dermasence Pflegebad). Spreitende Zusätze bilden auf der Wasseroberfläche einen dünnen Film, der sich beim Verlassen der Wanne wie ein Netz über die Haut zieht. Sie hydratisieren die Haut nachhaltig und wirken rückfettend; damit haben sie den größten Pflegeeffekt.

Bei nichtspreitenden Ölbädern wird das Öl im Wasser durch den Emulgator dispergiert, vermischt sich also mit dem Badewasser zu einer Emulsion. Der Ölfilm zieht während des Badens auf die Haut auf. Das fettet zwar die Haut etwas weniger stark, reinigt aber durch den Tensidzusatz besser. Je nach Menge des Emulgatoranteils haben sie ein milchig-trübes (hoher Emulgatorgehalt) oder ein klares Aussehen (sehr hoher Emulgatorgehalt).

Klarlösliche Badeölkonzentrate werden als »Ölschaumbäder« angeboten. Typische Emulgatoren für Ölbäder sind ethoxylierte oder propoxylierte Fettalkohole, Rizinolsäure- und Alkoholethersulfate sowie Phosphatidylcholin. Letzteres begünstigt das Aufziehen des Fettfilms auf die Haut. Durch den auf der Haut zurückbleibenden Fettfilm kann die Kleidung verschmutzt werden, und das in stärkerem Ausmaß bei spreitenden Ölbädern als bei emulgatorhaltigen. Die fettigen Rückstände des Bades sind auch relativ schwer von der Wannenoberfläche zu entfernen.

Neuere Ölbadkonzentrate aus Phosphatidylcholin und Ölen bilden keine übliche Öl-in-Wasser-Emulsion, sondern eine Mischung aus Liposomen und Nanopartikeln, wenn sie im Wasser verwirbelt werden. Sie setzen sich dadurch nicht am Wannenrand ab. 

Fettgehalt der Haut steigt 

Untersuchungen zeigen, dass direkt nach dem Baden in einem Ölbad der Fettgehalt der Haut rund 40-mal höher ist als davor. Fünf Stunden danach ist er noch fünfmal höher, und selbst nach zwei Tagen ist die Wirkung des Bades noch nachweisbar. Daher reicht es im Allgemeinen aus, sich alle zwei Tage ein Ölbad zu gönnen. Je nach Hautzustand reicht mitunter ein Ölbad schon zur Pflege aus. Zeitaufwendiges und umständliches Eincremen kann dann entfallen.

Experimentell ist bewiesen, dass sich der Säureschutzmantel gesunder Haut bei Anwendung entsprechender Präparate rund eine halbe Stunde nach dem Waschen regeneriert. Zum Vergleich: Ohne anschließende Pflege benötigt der Säureschutzmantel dafür 120 bis 180 Minuten. Um ein Vielfaches länger braucht die trockene Haut, wenn es überhaupt gelingt.

 

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