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Neue Ermittlungsmethode
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Fliegenhüllen bringen Forensik voran

Der chemische Fingerabdruck von Schmeißfliegen eröffnet neue Wege für die forensische Analyse. Forschende nutzen die Rückstände, die Fliegen nach ihrer Entwicklung hinterlassen, um Abläufe am Tatort von Gewaltverbrechen zu rekonstruieren. Künftig ließen sich so womöglich noch Spuren lang zurückliegender Ereignisse finden.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 09.07.2026  09:00 Uhr

Schmeißfliegen können eine Leiche aus bis zu zwei Kilometern Entfernung aufspüren. Wenn sie dann den verwesenden Körper finden und besiedeln, legen sie Eier ab. Ist der Nachwuchs hinausgeschlüpft, bleiben die sogenannten Puppenhüllen zurück. Sie können Ermittlern am Tatort helfen, Details zum Todeszeitpunkt aufzudecken – womöglich noch Jahre später.

Da die Insektenarten aber unterschiedlich schnell heranwachsen, ist es entscheidend, die Art genau zu kennen, zitiert das Magazin »Science News« die Mitautorin und Chemikerin Professor Dr. Rabi Musah von der Louisiana State University. Genau dort lag nämlich bisher das Problem. Viele Arten ähneln sich stark, besonders in frühen Stadien. Eine DNA-Analyse zur Unterscheidung wäre demnach zwar möglich, kann jedoch bedeuten, dass Teile der DNA durch Witterungseinflüsse längst zerstört sind.

Das Autorenteam setzt in seiner Studie, die im Fachjournal »Forensic Chemistry« erschienen ist, auf eine Kombination aus chemischer Analyse und künstlicher Intelligenz. Die Forschenden kartierten die Moleküle in den Puppenhüllen, die für jede Art einmalig sind, mithilfe der sogenannten Soft-Ionisationstechnik der Felddesorptions-Massenspektrometrie (FD-MS).

Ergebnis in 90 Sekunden

Anschließend wertete ein KI-Modell die Daten aus und ordnete jede Probe einer Art zu. Der Prozess dauert rund 90 Sekunden und funktionierte im Test mit 19 unbekannten Hüllen fehlerfrei. Für die Forensik ist das ein enormer Geschwindigkeitsgewinn.

Die Methode liefere jedoch mehr als die bloße Artbestimmung, heißt es. Manche Moleküle bleiben über Jahre stabil. Wenn sich ihre Veränderung also über große Zeiträume kartieren ließe, könnte dies Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt erlauben – auch lange nach dem Ereignis. Tauchen die spezifischen Puppenhüllen außerdem an anderer Stelle auf, hat der Täter die Leiche unter Umständen bewegt. Und finden Ermittler Arten, die nicht in der Region vorkommen, deutet das auf einen Ortswechsel hin.

Die Puppenhüllen verraten möglicherweise auch, welche toxischen Substanzen das Opfer aufgenommen hat. Musah bezeichnet die Moleküle als eine Art Sprache. Wer sie lesen kann, erhält zusätzliche Informationen über Ablauf und Umstände eines Verbrechens.

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