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Entdeckung in Wuhan
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Fledermaus-Coronavirus HKU5-CoV-2 nutzt humanen ACE2-Rezeptor

Wieder einmal kommen aus Wuhan, der chinesischen Stadt, in der die Coronapandemie ihren Anfang nahm, besorgniserregende Meldungen. Das Team um die durch die Entdeckung des SARS-CoV-2 bekannt gewordene Virologin Professor Dr. Shi Zhengli entdeckte ein Fledermaus-Coronavirus, das wie SARS-CoV-2 ebenfalls den humanen ACE2-Rezeptor nutzen kann.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 25.02.2025  15:00 Uhr
Fledermaus-Coronavirus HKU5-CoV-2 nutzt humanen ACE2-Rezeptor

Nicht erst seit SARS-CoV-2 sind die Gefahren bekannt, die von zoonotischen Viren ausgehen, also von Viren, die neben Tieren auch Menschen infizieren können. Jetzt lassen wieder einmal Forschende aus dem Wuhan Institute of Virology der Chinese Academy of Sciences in Wuhan, wo SARS-CoV-2 letztlich entdeckt wurde, aufhorchen, die in einer im Fachjournal »Cell« publizierten Arbeit, über ein neu entdecktes, potenziell gefährliches Coronavirus berichten.

Bereits im Jahr 2014 hatten Forschende um Professor Dr. Jing Chen vom Wuhan Institute of Virology das Material aus Fledermausproben gesammelt, das nun als das Merbecovirus HKU5-CoV-2 identifiziert und genauer charakterisiert wurde. Jetzt berichten die Forschenden, dass das Virus in Zellkulturen Zellen infizieren kann, die den humanen ACE2-Rezeptor exprimieren. Auch humane respiratorische und intestinale Organoide, also kleine organähnliche Mikrostruktur, die künstlich erzeugt und häufig als wichtige Modellsysteme verwendet werden, ließen sich durch das Virus infizieren. Und das ist tatsächlich neu. Denn bisher ging man davon aus, dass Merbecoviren (zu denen auch das MERS-Coronavirus gehört) primär auf Dipeptidylpeptidase-4 (DPP4) als Eintrittsrezeptor angewiesen sind. Allerdings gelingt es dem Virus nicht so leicht, über ACE2 menschliche Zellen zu infizieren, wie SARS-CoV-2.

HKU5-CoV-2 ist Mitglied einer evolutionär eigenständigen Linie

HKU5-CoV-2 wurde in Zwergfledermäusen gefunden und stellt eine evolutionär eigenständige Linie innerhalb der HKU5-Coronaviren dar, wie die Forschenden berichten. Die Sequenzanalysen zeigen eine moderate Ähnlichkeit zu anderen Merbecoviren, allerdings mit deutlichen Unterschieden in der Rezeptorbindedomäne (RBD) des Spike-Proteins.

Die Interaktion zwischen der RBD von HKU5-CoV-2 und dem humanen ACE2-Rezeptor zeigten die Forschenden direkt durch Kryo-Elektronenmikroskopie. Allerdings unterscheidet sich die Bindungsweise von bekannten ACE2-abhängigen Coronaviren wie SARS-CoV-2 und HCoV-NL63, eines von vier endemisch Coronaviren, die vor allem im Winter Erkältungskrankheiten auslösen. Trotz dieser Unterschiede zeigte sich jedoch eine hohe Bindungsaffinität, was auf eine mögliche zoonotische Relevanz hinweist.

Die Forschenden untersuchten das Bindungsverhalten zwischen der RBD von HKU5-CoV-2 und den ACE2-Rezeptoren durch Mutationsanalysen genauer und zeigten wenig überraschend, dass das Bindungsverhalten durch Mutationen vor allem an Schlüsselstellen für die Interaktion signifikant reduziert wird. Dies unterstreicht die Annahme, dass eine stabile ACE2-Interaktion tatsächlich möglich ist.

HKU5-CoV-2 nutzt, ebenso wie SARS-CoV-2, sowohl TMPRSS2 als auch Cathepsin L für die Spaltung des Spike-Proteins und den Eintritt in die Zelle. Das zeigt, dass HKU5-CoV-2 eine Furin-Spaltungsstelle besitzt. Entsprechend können Hemmstoffe gegen diese Proteasen die Infektion signifikant reduzieren.

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