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Immunreaktion

Fieber ohne Infektion – Infektion ohne Fieber

Arzneimittel, Alter, nicht-infektiöse Erkrankungen: Fieber kann auch andere Ursachen haben als klassische Krankheitserreger. Andersherum kann im Alter aufgrund des nachlassenden Immunsystems Fieber auch mal ausbleiben.
Christiane Berg
17.05.2022  17:00 Uhr

Körperliche Aktivität, Ernährung, Genussmittelkonsum, Hormone, Stress: Es gibt zahlreiche Einflussfaktoren, die zu einer (patho)physiologischen Temperaturerhöhung oder -erniedrigung des menschlichen Organismus führen können, erklärte Apothekerin Barbara Staufenbiel vergangenes Wochenende bei der Mai-Online-Fortbildung der Apothekerkammer Niedersachsen. Unter anderem verwies sie auf das spezifische Arzneimittelfieber, das durch Antiepileptika, Antibiotika, Chemotherapeutika, Amphotericin B, Azathioprin und Methotrexat, aber auch diverse Psychopharmaka oder falsch dosierte Schilddrüsenmedikamente hervorgerufen werden kann.

Die Diagnose eines Arzneimittel-Fiebers sei schwierig, da oftmals kein klarer zeitlicher Zusammenhang zwischen der Einnahme des verantwortlichen Medikaments und der Fieberreaktion besteht. Hinweis auf ein Arzneimittelfieber könne jedoch ein gleichzeitig auftretender Hautausschlag sein. Das Absetzen des auslösenden Medikaments könne dann unumgänglich werden. Ein solches Fieber klingt dann zumeist nach drei bis vier Tagen ab, machte Staufenbiel deutlich.

Erschöpfung, Müdigkeit, Hitzewallungen, Herzklopfen, Bauchschmerzen: Fieber kann auch seelische Ursachen haben und reagiert dann weder auf fiebersenkende Mittel noch auf behutsame Kühlung in Form von Wadenwickeln, betonte sie. Als Ursache gelte eine gestörte Konfliktbewältigung. Die Pharmazeutin sprach von somatoformen Störungen, die sich auch nur durch die Behandlung der seelischen Ursachen therapieren lassen.

Senioren: Infekte auch ohne Fieber ernst nehmen

Seitens Ärzten und Apothekern sei zudem unbedingt zu beachten, dass Fieber als Antwort des Körpers auf Infektionen im Alter aufgrund der mit den Jahren nachlassenden Leistungsfähigkeit des Immunsystems fehlen oder schwächer ausfallen kann.

Die bei einem Drittel der Patienten in hohen Lebensjahren zu beobachtende Immunseneszenz führe zu einer reduzierten Produktion endogener Pyrogene. Auch reagiere das Immunsystem im Alter per se verringert auf fieberauslösende Botenstoffe. Es besteht die Gefahr der Bagatellisierung schwerwiegender Infektionen oder anderer Grunderkrankungen, warnte Staufenbiel. Nicht nur bedeutsame Diagnosen könnten verzögert werden. Senioren könnten zudem auch schwerer erkranken und von schlechteren Prognosen und Komplikationen betroffen sein, betonte sie.

Vor diesem Hintergrund, so Staufenbiel, könne es sich als hilfreich erweisen, wenn ältere Menschen die individuelle Basaltemperatur ihres Körpers kennen, um diese im Krankheitsfall als Anhalt nehmen zu können. Gemäß der Empfehlungen der US-amerikanischen Gesellschaft für Geriatrie sei eine Erhöhung der körpereigenen Grundtemperatur um 1,1 Grad Celsius im Alter bereits als Alarmzeichen zu werten.

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