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Deutsches Museum

Faszination Biopharmazeutika

Wozu dient eigentlich Biotechnologie? Neue Exponate im Deutschen Museum in München informieren über den medizinischen Nutzen der Technologie und sollen gleichzeitig Wissenslücken rund um den Arzneimitteltyp Biopharmazeutika schließen.
Jennifer Evans
25.07.2022  07:00 Uhr

Biopharmazeutika sind nicht ganz neu, doch ihre Rolle im Arzneimittelmarkt wächst ständig. Insbesondere in der Onkologie und Immunologie sowie bei Stoffwechselerkrankungen ergänzen oder ersetzen sie zunehmend herkömmliche Therapien. Mithilfe neuer Modelle, Animationen, Grafiken, Videos und interaktiver Elemente nimmt das Deutsche Museum in München seine Besucher mit auf eine Reise in die Welt der Biopharmazeutika.

Dabei geht es etwa um die komplexe Struktur dieser Arzneimittel sowie ihren komplizierten Herstellungsprozess, dem sogenannten Biomanufacturing. Für die Produktion kommen neben Bakterien oder Hefen lebende menschliche Zellen zum Einsatz. Biopharmazeutika bauen nämlich auf den Strukturen körpereigener Moleküle auf, um dann auf ähnliche oder ganz neuartige Weise zu wirken. Gentechnisch modifizierte lebende Zellen produzieren in einem Bioreaktor das gewünschte Protein, das die Wissenschaftler später extrahieren können.

Beim Thema Biopharmazeutika existiert aber offenbar ein Wissensdefizit in der Bevölkerung. Zu dem Ergebnis kommt jedenfalls eine Amgen-Erhebung aus dem vergangenen Jahr. Demnach konnten 97 Prozent der Befragten nichts mit dem Begriff Biopharmazeutika anfangen. »Eine solche Ausstellung ist eine großartige Chance, die Funktionsweise und den Nutzen von Biopharmazeutika aufzuzeigen und auch die Faszination für die Biotechnologie zu teilen«, betont Amgen-Geschäftsführer Manfred Heinzer.

Fragile Eiweiß-Struktur

Die neuen Exponate zeigen den Museumsbesuchern unter anderem den Unterschied zwischen chemisch-synthetischen Arzneimitteln wie Kopfschmerztabletten und Biopharmazeutika wie Insulin oder monoklonalen Antikörpern. Anders als bei Ibuprofen und Co. ist die Eiweißstruktur der biopharmazeutischen Wirkstoffe nämlich sehr fragil. Weil die Magensäure sie zerstören würde, gelangen sie bisher in der Regel mittels Injektion oder einer intravenösen Infusion in den Körper und können so ihre komplexe Struktur erhalten.

Im Rahmen der Ausstellung nutzt der Biotechnologie-Konzern die Gelegenheit, seine sogenannte BiTE®-Technologie (Bispecific T‑Cell Engager) vorzustellen. Dabei handelt es sich um eine neue Generation von Immuntherapien im Kampf gegen Krebs, bei der Moleküle körpereigene T-Zellen aktivieren. Entwickelt hat die Technologie ein Forscherteam der deutschen Amgen-Niederlassung in München.

Die Amgen-Themeninsel gehört zu den Bereichen, die das Münchener Museum kürzlich modernisiert hat. Die Partnerschaft des Konzerns mit dem Deutschen Museum reicht bis ins Jahr 2009 zurück.

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