| Annette Rößler |
| 05.08.2026 09:00 Uhr |
Auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes kann ein kontinuierliches Glucose-Monitoring Vorteile bringen, wenn sie häufig den Blutzucker kontrollieren müssen. / © Adobe Stock/Halfpoint
Beim kontinuierlichen Glucose-Monitoring (CGM) misst ein auf die Haut geklebter Sensor ständig den Zuckergehalt der Interstitialflüssigkeit und sendet diese Information an eine Smartphone-App. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist diese Art der Glucosemessung mittlerweile Standard, weil die Patienten mit ihr deutlich flexibler auf kurzfristige Blutzuckerschwankungen reagieren können als mit der früher üblichen Messung aus dem Kapillarblut der Fingerbeere. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die im Gegensatz zu Typ-1-Diabetikern häufig nicht auf Insulin angewiesen sind, sowie bei Menschen ohne Diabetes – die das CGM teilweise zur Selbstüberwachung und Optimierung des Lebensstils nutzen – ist der Nutzen umstritten.
Ein Team um Dr. Justin A. Dower von der Yale School of Medicine in New Haven, Connecticut, hat nun im Fachjournal »JAMA Internal Medicine« die Evidenz zur Anwendung von CGM bei Menschen ohne Typ-1-Diabetes zusammengetragen. Die systematische Übersichtsarbeit bezieht andere Reviews, Metaanalysen, randomisierte Studien und Leitlinien mit ein und fokussiert unter anderem auch auf potenziell negative Konsequenzen der Anwendung.
Bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes habe sich in randomisierten Studien ein Vorteil für das CGM gegenüber der Kapillarblutmessung oder Standardversorgung (ohne regelmäßige Blutzuckermessung) gezeigt, schreiben die Autoren. Dieser Vorteil war mit in einer Senkung des HbA1c-Werts um circa 0,3 Prozent zwar nur gering ausgeprägt, aber konsistent vorhanden. Besonders profitierten Patienten mit Typ-2-Diabetes unter einer Therapie mit Insulin oder Insulin-Sekretagoga wie Sulfonylharnstoffen: Bei ihnen wurden asymptomatische Hypoglykämien häufiger detektiert, schwere Hypoglykämien dagegen nicht.
Weniger deutlich sei das Bild dagegen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne blutzuckersenkende Therapie oder auch bei Menschen ohne Diabetes, aber etwa mit Prädiabetes oder Adipositas: In diesen Gruppen lasse sich ein Einsatz von CGM lediglich mit indirekter Evidenz rechtfertigen.
Generell solle CGM bei Personen ohne Typ-1-Diabetes vor allem zur Lösung spezifischer Probleme eingesetzt werden und nicht standardmäßig, lautet das Fazit der Autoren. Stets müssten dabei das individuelle Behandlungsziel, der klinische Kontext und die vorhandenen Kapazitäten berücksichtigt werden. Es gehe darum, diejenigen mit solchen Systemen zu versorgen, die am meisten davon profitieren, während eine Anwendung in Populationen, in denen der Nutzen nicht gesichert ist, zu vermeiden sei.
Potenzielle Nachteile der Systeme wie häufige Alarme und daraus resultierend eine Beunruhigung der Anwender, Hautirritationen, Kosten und die Versuchung »jeder Blutzuckerspitze nachzujagen« seien nicht zu vernachlässigen. Die Forschenden empfehlen den Einsatz daher am ehesten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die sich bisher häufig zu Messzwecken in die Finger stechen müssen, mit hohem Hypoglykämie-Risiko, in riskanten Berufen oder bei denen der HbA1c-Wert unzuverlässig ist, etwa infolge einer Anämie. In Fällen, in denen ein CGM dagegen wegen eines Prädiabetes, einer Adipositas oder auch bloß zu Wellnesszwecken eingesetzt würden, müsse die Anwendung sehr zurückhaltend erfolgen, um etwa eine unnötige Beunruhigung und Diätrestriktionen zu vermeiden.