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Cannabis

Experimenteller Wirkstoff erleichtert Entzug

Die Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH), ein am Endocannabinoid-System beteiligtes Enzym, stellt einen möglichen Angriffspunkt zur Behandlung von Cannabis-Abhängigen dar. In einer Phase-II-Studie mit 70 männlichen Patienten reduzierte der FAAH-Inhibitor PF-04457845 Entzugssymptome und den Cannabis-Beikonsum deutlich stärker als Placebo.
Annette Mende
07.12.2018
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Endocannabinoide sind körpereigene Substanzen, die die gleiche Wirkung entfalten wie Cannabinoide aus Cannabis. Eines der ersten isolierten Endocannabinoide war die vor allem im ZNS vorliegende Fettsäure Anandamid, die von der FAAH abgebaut wird. Eine Hemmung der FAAH hebt den Anandamid-Spiegel an und kann sich dadurch positiv auf die Stimmung auswirken.

Forscher um Professor Dr. Deepak Cyril D'Souza von der Yale University berichten nun im Fachjournal »The Lancet Psychiatry« von positiven Ergebnissen einer Phase-II-Studie mit dem FAAH-Inhibitor PF-04457845 bei Männern mit Cannabis-Abhängigkeit. Die Patienten erhielten über vier Wochen randomisiert und doppelblind entweder den Wirkstoff in Tablettenform oder Placebo. Parallel dazu führten die Teilnehmer, die zuvor mehr als drei Joints am Tag geraucht hatten, einen Cannabis-Entzug durch, zunächst für eine Woche stationär und anschließend noch drei Wochen lang ambulant. Erfasst wurden die Adhärenz per PF-04457845-Blutspiegelbestimmung, Entzugssymptome und Cannabis-Beikonsum anhand von Urinproben.

In der Verumgruppe waren die Entzugssymptome, allen voran Schlafstörungen, aber auch Depression, Reizbarkeit und Angst, milder als in der Placebogruppe. Am Ende des Beobachtungszeitraums konsumierten die Teilnehmer der Verumgruppe zudem weniger Cannabis als die Probanden der Placebogruppe (durchschnittlich 0,4 versus 1,27 Joints am Tag). Nebenwirkungen waren mild und in beiden Gruppen gleich häufig.

»Eine Menge Wirkstoffe sind bereits hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei Cannabis-Entzug getestet worden, aber bisher konnte noch keiner Entzugssymptome und Rückfälle senken«, so D'Souza in einer Pressemitteilung. Anders als Cannabis oder sein Hauptinhaltsstoff THC hätten FAAH-Inhibitoren keine psychoaktiven Effekte, sodass ein Missbrauch unwahrscheinlich sei. Um die Wirkung auf das Rückfallrisiko zu beurteilen, sind jedoch weitere Studien mit längerer Beobachtungszeit erforderlich. Auch muss der Effekt bei Frauen getestet werden. Sie waren aufgrund noch fehlender Toxizitätsdaten von der vorliegenden Studie ausgeschlossen.

DOI: 10.1016/S2215-0366(18)30427-9

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