| Daniela Hüttemann |
| 18.02.2026 18:00 Uhr |
Point-of-Care-Tests sind minimalinvasiv und benötigen nur geringe Probenmenge, zum Beispiel etwas Kapillarblut für die Blutzuckerbestimmung. / © ABDA
In Österreich gibt es aktuell rund 1450 öffentliche Apotheken mit rund 20.000 Mitarbeitern für die rund 9,2 Millionen Einwohner. »Wir zählen täglich 600.000 Kundenkontakte und sind damit prädestiniert, eine größere Rolle in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu spielen«, sagte Dr. Matthias König-Mitterhauser, Präsident der Landesgeschäftsstelle Tirol der Österreichischen Apothekerkammer, im Rahmen eines Kongress des Pharmaceutical Care Networks Europe, der derzeit in Innsbruck stattfindet.
Bislang finanzieren sich die Apotheken ausschließlich über die Spanne der abgegebenen Arzneimittel, so König-Mitterhauser. Das werde dauerhaft nicht mehr funktionieren. Finanziell ist es um die Apotheken in Österreich nicht unbedingt gut gestellt. 20 Prozent der Inhabenderinnen und Inhaber verdienten weniger als ihre Angestellten – ähnlich wie derzeit in Deutschland. Noch gebe es keine honorierten Dienstleistungen. Die österreichischen Apotheker hoffen jedoch, dass sich das bald ändern wird.
Nachdem der Großteil der Apotheken in Österreich in die Covid-19-Testinfrastruktur eingebunden war, wurden ihnen mit einer Novelle des Apothekengesetzes 2024 neben einer Erweiterung ihrer Kompetenzen beim Austausch von Medikamenten auch erlaubt, sogenannte Point-of-Care-Tests (PoCT) im Rahmen der patientennahen Labordiagnostik durchzuführen, berichtete Apotheker Stefan Deibl, Leiter der Fort- und Weiterbildungsabteilung der Apothekerkammer.
Apotheker dürfen nun nach entsprechender Schulung Kapillarblut entnehmen und Nasen- und Rachenabstriche für die Probengewinnung durchführen, zum Beispiel zur Bestimmung des Langzeit-Blutzuckerwerts HbA1c, eines Lipidprofils, des Vitamin-D-Spiegels oder auch Test auf Infektionen wie Covid-19, Influenza oder RSV.
Zu den Vorteilen von POCT gehören laut Deibl eine schnelle Durchführung mit zeitnahem Ergebnisse (meist innerhalb von fünf bis 15 Minuten), die Nutzung meist vollautomatisierter Geräte mit einfacher Bedienung und die Bindung an die Apotheke vor Ort.
Zu den Nachteilen und Limitationen zählten unter anderem weniger genaue Ergebnisse als bei Laboranalysen (Sensivitivät und Spezifität ist abhängig vom Gerät) und das es derzeit kein optimiertes Testsystem für Apotheken gebe. Die Anschaffungskosten lägen bei 1000 bis 6000 Euro, hinzukommen 2 bis 30 Euro für die Testkits. Die Kammer stellt über ein eigenes Portal Hilfsmaterial bereit, darunter eine Liste empfohlener PoCT-Geräte, SOP, Checklisten, Hygienepläne und ein Musterformular zur Meldung an die Bezirksverwaltungsbehörde.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.