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vfa-Bilanz 2023
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»Es hätten mehr neue Arzneimittel sein können«

30 Medikamente mit neuen Wirkstoffen haben Pharmafirmen in diesem Jahr in Deutschland auf den Markt gebracht. In den Vorjahren waren es mehr und auch 2023 hätte die Bilanz laut vfa besser aussehen können. Die Pharmaindustrie sieht sich ausgebremst.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 20.12.2023  16:00 Uhr

Streng genommen waren es nach Zählung des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) sogar 32 Präparate mit neuen Wirkstoffen, die 2023 in Deutschland auf den Markt kamen. Allerdings wurden zwei Medikamente nach wenigen Monaten wieder vom Markt genommen – der Corona-Impfstoff VidPrevtyn Beta und Spesolimab (Spevigo®) bei generalisierter pustulöser Psoriasis, dem der G-BA keinen Zusatznutzen anerkannte. Hinzu kommen 24 Zulassungserweiterungen für bereits verfügbare Medikamente gegen weitere Erkrankungen (zumeist im Bereich Krebs und Autoimmunerkrankungen) und neue Darreichungsformen.

In den beiden Vorjahren sah die Bilanz deutlich besser aus: 2021 waren es 46 neue Arzneimittel; 2022 sogar 49. Laut vfa-Chef Han Steutel hätten es auch in diesem Jahr mehr sein können: »Es standen genügend zugelassene Medikamente bereit. Doch das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz von 2022 mit seinen Eingriffen in das Erstattungssystem hat beigetragen, Unternehmen von der Vermarktung einzelner Medikamente in Deutschland abzubringen. Sie ziehen sie vom Markt zurück oder führen sie gar nicht erst ein.« Der vfa-Vorsitzende fürchtet, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird, »bis in Deutschland wieder Marktbedingungen herrschen, die verlässlich medizinischen Fortschritt anerkennen«.

Allerdings schwankt die Zahl der Neuzulassungen von Jahr zu Jahr. 2010 bis 2013 waren magere Jahrgänge mit nur 24 bis 27 Neulingen, doch zuletzt lag die Zahl nur 2019 unter 30.

Für die Apotheke vor Ort am relevantesten dürfte der duale GLP-1- und GIP-Rezeptoragonist Tirzepatid (Mounjaro®) sein, eine Weiterentwicklung von Semaglutid und Co. Bislang ist das Präparat nur gegen Typ-2-Diabetes zugelassen; die Zulassungserweiterung bei Adipositas dürfte demnächst folgen. Innovativ sind auch der erste Januskinase-Hemmer bei Schuppenflechte (Deucravacitinib | Sotyktu®) und der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse von Migränetherapeutika, Lasmiditan (Rayvow®).

Wie schon in den Vorjahren sind die meisten neuen Medikamente (in diesem Jahr zwölf) für den onkologischen Bereich. Drei Präparate sind für Patienten mit Multiplem Myelom, einer eher seltenen Krebserkrankung des Knochenmarks. Weitere drei Neulinge sind für die Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs gedacht, der häufigsten Krebserkrankung bei Männern.

Die zweitstärkste Gruppe mit sechs neuen Vertretern sind die Arzneimittel gegen immunologische Krankheiten; darunter je ein Mittel gegen kreisrunden Haarausfall (Ritlectinib | Litfulo™), Colitis ulcerosa (Mirikizumab | Omvoh®) und noch ganz frisch gegen atopische Dermatitis (Lebrikizumab | Ebglyss®).

Drei neue Präparate sind zur Prophylaxe von Infektionen mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) – ein monoklonaler Antikörper für Säuglinge (Nirvesimab | Beyfortus®) und zwei Impfstoffe, davon einer für Personen ab 60 Jahren (Arexvy®) und einer für diese Altersgruppe und Schwangere (Abrysvo®). Neu ist auch ein Dengue-Impfstoff (Qdenga®). Ein neues Antibiotikum war dagegen dieses Jahr nicht dabei.

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