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China
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Erster inhalativer Coronaimpfstoff zugelassen

Chinas Regierung hat den weltweit ersten inhalativen Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung des Impfstoffherstellers Cansino Biologics.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 07.09.2022  17:00 Uhr

Der Impfstoff mit dem Namen »Convidecia Air« wird mithilfe eines Verneblers in ein Aerosol umgewandelt, das dann inhaliert wird. Nach Aussagen des Herstellers und gestützt von Daten, die kürzlich im Fachjournal »The Lancet« publiziert wurden, kann der nadelfreie Impfstoff nach nur einem Atemzug einen umfassenden Immunschutz gegen SARS-CoV-2 induzieren.

In der im August publizierten Studie hatte das Unternehmen Daten zur Sicherheit und Immunogenität einer heterologen Boost-Immunisierung mit Convidecia Air bekannt gegeben. In die randomisierte, offene, kontrollierte Studie waren 420 Probanden eingeschlossen worden, die mit zwei Dosen des inaktivierten SARS-CoV-2-Impfstoffs CoronaVac des Herstellers Sinovac grundimmunisiert worden waren.

Je 140 Probanden waren nach dem Zufallsprinzip (1:1:1) drei Gruppen zugeteilt worden, von denen eine eine heterologe Auffrischungsimpfung mit einer niedrigen Dosis (1.0×1011 Viruspartikel pro ml; 0,1 ml) und eine zweite mit einer hohen Dosis (1.0×1011 Viruspartikel pro ml; 0,2 ml) des aerosolisierten Ad5-nCoV-Impfstoffs oral verabreicht bekamen. Die Teilnehmen der dritten Gruppe wurden mit einer dritten homologen Dosis CoronaVac (0,5 ml) intramuskulär geimpft.

Der primäre Endpunkt für die Sicherheit war das Auftreten von Nebenwirkungen innerhalb von 14 Tagen nach der Auffrischungsdosis. Der primäre Endpunkt für die Immunogenität waren die geometrischen mittleren Titer (GMT) der neutralisierenden Antikörper (NAb) im Serum gegen das SARS-CoV-2-Virus 14 Tage nach der Auffrischungsdosis.

Unerwünschte Wirkungen wurden von 26 (19 Prozent) der Teilnehmer in der Niedrigdosisgruppe und 33 (24 Prozent) der Probanden in der Hochdosisgruppe gemeldet. Aus der Kontrollgruppe meldeten 54 (39 Prozent) der Probanden unerwünschte Wirkungen.

Die Gruppe mit niedriger Dosis wies 14 Tage nach der Auffrischungsimpfung einen Serum-NAb-GMT von 744, und die Gruppe mit hoher Dosis einen GMT von 714,1 auf. Diese Werte lagen signifikant über den Werten der Probanden aus der Kontrollgruppe, bei denen ein NAb-GMT-Wert von 78,5 ermittelt wurde.

Positive Resonanz von Experten

Prominente Wissenschaftler, darunter der Executive Vice President von Scripps Research, Professor Dr. Eric Topol, hatten die US-Regierung wiederholt aufgefordert, die Bemühungen zur Entwicklung von Inhalations- und Nasenspray-Impfstoffen zu beschleunigen, da sie glauben, dass sich so eine Omikron-Infektionen besser bekämpfen lässt, als mit den klassischen Impfstoffen. »Die beste Option … eine Schleimhautimmunität an den oberen Atemwegen zu induzieren, ist der Einsatz entweder von nasalen oder oralen Impfstoffen,« wird Topol in einer Meldung des Nachrichtenportals »Fortune« zitiert.

Convidecia Air ist eine inhalative Version eines auf einem Adenovirus-Vektor beruhenden Covid-19-Impfstoffs, den Cansino ursprünglich in Zusammenarbeit mit der vom chinesischen Militär geführten Academy of Military Medical Sciences entwickelt hatte. Die Impfung zeigte in frühen klinischen Studien einen 66-prozentigen Schutz vor einer Infektion und eine 92-prozentige Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen. Dieser Impfstoff wurde von der chinesischen Regierung, der Weltgesundheitsorganisation und mehreren anderen Ländern für die Verwendung als Auffrischimpfung und zur Primärimmunisierung zugelassen.

Allerdings fand der Impfstoff von Cansino nicht die Verbreitung, die sich das Unternehmen erhofft hatte. Daher entwickelte es nun die inhalative Version. Ob dieser Ansatz nachhaltiger ist als der erste Versuch, wird sich zeigen. Die Chancen scheinen jedoch nicht so schlecht zu stehen, vor allem dann nicht, wenn es gelingt, auch die US-amerikanischen und europäischen Zulassungsbehörden von der Qualität und der Wirksamkeit zu überzeugen.

Auch an nasalen Impfstoffen wird weltweit gearbeitet. Eine nasal zu applizierende Version des russischen Impfstoffs Sputnik V, der ebenfalls auf einem Adenovirus-Vektor basiert, ist in Russland schon zugelassen.

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