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AK Schleswig-Holstein

Erster Apotheker erhält ATHINA-Zertifikat

Es sei, so Weinschenck bei der Zertifikats-Übergabe in seiner Apotheke, in erster Linie seine Freude am Beruf, die ihn zur Teilnahme am ATHINA-Projekt bewogen habe. »Ich halte diese Art des Kümmerns um das Patientenwohl und um seine Medikation für essentiell. Sie ist zentraler Bestandteil unserer Profession«. ATHINA-Dienstleistungen könnten als »Sicherheitsgurt« in der Arzneimitteltherapie dienen. Zwingend notwendig sei jedoch eine entsprechende Honorierung dieses qualifizierten pharmazeutischen Angebots.

Seine Erfahrungen bei der Umsetzung der ATHINA-Vorgaben in die Praxis seien durchaus positiv. Die Praxisphase umfasste die Bearbeitung und Einreichung von vier Patientenfällen bei gleichzeitiger Teilnahme an vier Webinaren, bei der ausgewählte Indikationen und spezifische therapeutische Optionen besprochen werden. Für die vier Analysen habe der Apotheker gezielt Patienten ausgewählt, die nicht nur die Voraussetzungen zur ATHINA-Medikationsanalyse erfüllen, sondern zu denen er auch ein besonderes Vertrauensverhältnis pflegt.

»Ich bin auf jeden einzelnen dieser Patienten aktiv zugegangen und habe ihn persönlich angesprochen. Alle vier Patienten haben spontan zugesagt. Zuvor hatte ich mir einen konkreten Zeitplan gemacht, der mir ausreichend Raum und Ruhe zur Durchführung zum Beispiel für die im Rahmen von ATHINA notwendigen Anamnese- und Abschlussgespräche bot«, schilderte Weinschenk sein Vorgehen.

Die Reservierung entsprechender Zeitfenster für die individuellen Gespräche sei unabdingbar. Der vorgegebene Richtwert von 90 Minuten könne sich je nach Komplexität des Falles und der entsprechenden Arzneimittelkonstellation als zu knapp bemessen erweisen. »Der Zeitbedarf ist von Fall zu Fall unterschiedlich«, unterstrich er. Weinschenck betonte, dass sich eine Medikationsanalyse »nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln beziehungsweise zwischen Tür und Angel erledigen lässt«.

Bereitschaft zur Verantwortung

»Struktur ist das Rückgrat der ATHINA-Beratungsgespräche, damit zuverlässig alle Informationen vollständig gesammelt werden können«. Das bedeutet auch volle Konzentration auf das Fragen und Zuhören, sagte er. »Die tatsächliche Ursache eines Problems lässt sich nur im persönlichen Miteinander finden. Keinesfalls lässt sich dieses digital darstellen«, zeigte sich Weinschenck überzeugt.

Wenn eine Medikationsanalyse einen Änderungsbedarf in der Medikation aufzeigt, der den ärztlichen Entscheidungsbereich betrifft, müsse der Arzt zeitnah hierüber in Kenntnis gesetzt werden. Das ermögliche ihm, die Fakten für seine Entscheidungsfindung mit der erforderlichen Sorgfalt zu sichten und auszuwerten, bevor der Patient ihn anspricht. »Dieser ärztliche Wissensvorsprung ist wertvoll für eine gelungene Arzt-Patienten-Kommunikation. Das Vorgehen stärkt zudem das Vertrauen auch zwischen Arzt und Apotheker«, unterstrich der Pharmazeut, der auf die Notwendigkeit von »großem Fingerspitzengefühl« verwies.

Haupt-Voraussetzung für die Übernahme von Aufgaben im Rahmen von ATHINA sei jedoch die Bereitschaft, in dem vorgegebenen Rahmen Verantwortung zu übernehmen – »auch wenn dieses bedeutet, die Komfortzone zu verlassen«. Weinschenck betonte, dass er alle Kolleginnen und Kollegen zur Teilnahme an ATHINA ermutigen könne.

»Die Stärke der Apotheken ist die Nähe zum Patienten, die auch in einer digitalen Welt im Focus all unserer Anstrengungen stehen muss. Das Athina-Projekt wird uns darin unterstützen«, betonte auch Christiansen, der von einem »großen Schritt in die richtige Richtung« sprach. Der nächste zweitägige ATHINA-Wochenendworkshop am 24. und 25. April 2020 in Kiel als Basis für die Teilnahme am ATHINA-Projekt sei bereits ausgebucht. Jedoch gäbe es noch freie Plätze im Folge-Seminar am 4. und 5. September 2020 in Kiel.

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