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Antiemetika

Erhöhtes Schlaganfallrisiko unter MCP und Domperidon

Antipsychotika, die zentral antidopaminerg wirken, erhöhen das Schlaganfallrisiko. Nun berichten französische Wissenschaftler, dass das womöglich auch für Antiemetika wie Metoclopramid (MCP) und Domperidon gilt, die ebenfalls am Dopaminrezeptor angreifen.
Annette Rößler
24.03.2022  10:30 Uhr
Erhöhtes Schlaganfallrisiko unter MCP und Domperidon

Im »British Medical Journal« hat eine Forschergruppe um Anne Bénard-Laribière vom französischen Forschungsinstitut INSERM jetzt die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie veröffentlicht, in der sie den Zusammenhang zwischen der Anwendung eines antidopaminergen Antiemetikums (ADA) und einem ischämischen Schlaganfall untersucht hatte. Hintergrund sei das bekannte Risiko für solche Schlaganfälle unter der Anwendung von antipsychotisch wirkenden Antagonisten am Dopamin-D2-Rezeptor gewesen, berichten die Autoren. Im ersten Monat einer solchen Therapie sei das Schlaganfallrisiko bis zu zwölffach erhöht, vor allem bei älteren Menschen und Demenzpatienten, sinke dann wieder ab und erreiche erst nach drei Monaten wieder das Ausgangsniveau.

ADA blockieren ebenfalls den Dopamin-D2-Rezeptor, sind aber mit Ausnahme von MCP kaum ZNS-gängig. Sie wirken direkt auf die Chemorezeptoren-Triggerzone des Brechzentrums, die noch außerhalb der Blut-Hirn-Schranke liegt. Die Überlegung, dass auch eine periphere Wirkung etwa auf die versorgenden Blutgefäße des Gehirns das Schlaganfallrisiko erhöhen könnte, und die große Bedeutung der ADA etwa zur Behandlung von Patienten mit Migräne und Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen, waren der Anlass für die Studie.

Die Autoren werteten die Datenbank der landesweiten Krankenversicherung Système National des Données de Santé (SNDS) aus. Sie identifizierten 2612 Patienten, die zwischen 2012 und 2016 erstmals einen ischämischen Schlaganfall erlitten hatten und in den 70 Tagen davor MCP, Domperidon oder das in Deutschland nicht verfügbare ADA Metopimazin erhalten hatten. Die Erstverordnung war entweder in den 14 Tagen vor dem Schlaganfall erfolgt (Risikoperiode) oder innerhalb von drei anderen sogenannten Referenzperioden. Diese hatten einen größeren zeitlichen Abstand zu dem Schlaganfall als die Risikoperiode, nämlich die Tage 70 bis 57, die Tage 56 bis 43 beziehungsweise die Tage 42 bis 29 davor.

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