| Christina Hohmann-Jeddi |
| 26.05.2026 11:30 Uhr |
Frauen haben im Schnitt kleinere und weniger arteriosklerotische Plaques als Männer, aber deswegen nicht weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt. / © Adobe Stock/Kateryna_Kon
Eine neue Auswertung der PROMISE‑Studie zeigt deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Bewertung arteriosklerotischer Plaque. Forschende um Dr. Jan Brendel vom Massachusetts General Hospital in Boston werteten hierfür Daten von 4267 Patientinnen und Patienten mit stabilen Brustschmerzen aus, die mittels Koronar-CT untersucht worden waren.
Das Ergebnis: Plaques waren bei 75 Prozent der Männer, aber nur bei 55 Prozent der Frauen nachweisbar. Frauen hatten auch im Mittel knapp halb so große Plaques wie Männer. Bei der Anzahl der Ereignisse – Tod, Herzinfarkt oder Klinikeinweisung wegen instabiler Angina – gab es aber kaum einen Unterschied (2,3 versus 3,4 Prozent). Die Ergebnisse stellte das Team im Februar im Journal »Circulation: Cardiovascular Imaging« vor (DOI: 10.1161/CIRCIMAGING.125.019011).
Auffällig war die Risikokurve: Bei Frauen überschritt das Risiko die neutrale Schwelle bereits bei einer Plaquebürde von 20 Prozent, bei Männern erst bei 28 Prozent. Auch bei nicht verkalkten Plaques zeigte sich dieser Trend. Das Risiko stieg bei Frauen zudem mit steigender Plaquelast steiler an.
Die Autorinnen und Autoren folgern, dass Plaquemessungen aus der Herz-CT bei Frauen anders interpretiert werden sollten. »Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass Frauen trotz geringerer Plaquemengen nicht vor koronaren Ereignissen ‚geschützt‘ sind«, sagte Mitautor Dr. Borek Foldyna, von der Harvard Medical School in Boston laut einer Mitteilung der American Heart Association. »Ein moderater Anstieg der Plaquebelastung scheint bei Frauen mit einem unverhältnismäßig hohen Risiko verbunden zu sein, was darauf hindeutet, dass Standarddefinitionen für ein hohes Risiko das Risiko bei Frauen möglicherweise unterschätzen.«