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Neue Leitlinie

Entscheidung über Beatmung nicht aufgrund des Alters treffen

In Anlehnung an die Empfehlungen des Nationalen Ethikrates hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) eine S1-Leitlinie zur palliativmedizinischen Versorgung von Covid-19-Patienten erstellt.
PZ
19.05.2020
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Wie die DGS mitteilt, ist die Kernthese der Handlungsempfehlung für Ärzte und Pflegende, dass eine Entscheidung für oder gegen intensivmedizinische Maßnahmen nicht aufgrund des Alters des Patienten getroffen werden kann. »Das Alter stellt keine Begründung für eine Behandlungsrestriktion dar«, sagt Norbert Schürmann, Autor der neuen Leitlinie und Vizepräsident der DGS. Vielmehr soll laut der DGS die Gesamtsituation, zum Beispiel das Vorliegen einer nicht heilbaren lebenslimitierenden Erkrankung und der Wille des Patienten, berücksichtigt werden.

Ziel der Leitlinie ist es, Ärzte und Pflegende in ihren individuellen Entscheidungen zur Behandlung von Patienten mit palliativem Versorgungsbedarf und einer Covid-19-Erkrankung zu unterstützen.  Um entscheiden zu können, ob intensivmedizinische Behandlungen inklusive einer Beatmung erfolgen oder ob der Patient palliativmedizinisch behandelt werden sollte, seien verschiedene Fragen sinnvoll. Zum Beispiel: Hat der Patient eine nicht heilbare, lebenslimitierende Erkrankung? Gibt es bei dem individuellen Patienten angesichts seiner Gesamtsituation eine medizinische Indikation für intensivmedizinische Behandlung und/oder eine invasive Beatmungstherapie? Liegt eine Patientenverfügung vor? Hat der Patient eine palliative Grunderkrankung? Und liegt eine Vorausplanung zur Therapieziel-Änderung nach Advance-Care-Planning-Standard vor?

Falls eine Intensiv- oder Beatmungstherapie nicht indiziert ist oder nicht dem Willen des Patienten entspricht, sollte der Patient bestmöglich palliativ versorgt werden, beispielsweise auf einer Palliativstation, in einem Hospiz, durch ein Palliativteam oder den Hausarzt. 

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