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Urothelkarzinom

Enfortumab-Vedotin in EU zugelassen

Die Firmen Astellas und Seagen haben die EU-Zulassung für das Medikament Padcev™ erhalten. Das darin enthaltene Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab-Vedotin kommt bei bestimmten Patienten mit Urothelkarzinom infrage.
Sven Siebenand
19.04.2022  16:00 Uhr

Das Urothelkarzinom ist mit 90 Prozent aller Fälle die häufigste Blasenkrebsart und kommt auch im Nierenbecken, im Harnleiter und in der Harnröhre vor. Weltweit werden jährlich mehr als eine halbe Million neue Blasenkrebsfälle und mehr als 200.000 Todesfälle aufgrund dieser Tumorart verzeichnet. Die EU-Kommission hat Enfortumab-Vedotin als Monotherapie zugelassen für die Behandlung erwachsener Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und eine Krebsimmuntherapie mit einem PD-1/L1-Inhibitor erhalten haben.

Enfortumab, die Antikörperkomponente des Konjugats, ist gegen das Oberflächenprotein Nectin-4 gerichtet. Dieses wird insbesondere bei Blasenkrebs vermehrt exprimiert. Nachdem der Antikörper gebunden ist, folgt die Internalisierung des Konjugats. Das Zellgift Monomethyl Auristatin E (MMAE) wird erst in der Tumorzelle freigesetzt und aktiv. Es wirkt als Mikrotubuli-Hemmstoff. Der Zellzyklus wird unterbrochen, es kommt zur Apoptose. Enfortumab-Vedotin wird infundiert.

Die EU-Zulassung stützt sich auf Daten aus der Phase-III-Studie EV-301. In dieser wurde das neue Antikörper-Wirkstoff-Konjugat mit einer Chemotherapie aus Vinflunin oder Taxanen bei erwachsenen Patienten (n = 608) mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom verglichen. Zuvor hatten die Patienten eine platinbasierte Chemotherapie und einen PD-1/L1-Inhibitor erhalten. Zum Zeitpunkt der vordefinierten Zwischenanalyse lebten die Patienten, die Enfortumab-Vedotin erhielten (n = 301), im Median 3,9 Monate länger als die Patienten, die eine Chemotherapie erhielten (n = 307). Das mediane Überleben betrug 12,9 versus 9 Monate.

Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen von Enfortumab-Vedotin waren Alopezie, Fatigue, verminderter Appetit, periphere sensorische Neuropathie, Durchfall, Übelkeit, Pruritus, Dysgeusie, Anämie, Gewichtsabnahme, makulo-papulöser Ausschlag, trockene Haut, Erbrechen, erhöhte Aspartat-Aminotransferase, Hyperglykämie, trockene Augen, erhöhte Alanin-Aminotransferase und Hautausschlag.

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