| Daniela Hüttemann |
| 11.09.2026 11:00 Uhr |
Offen sein für Veränderungen und bereit sein, jeden Tag etwas Neues zu lernen – so machen sich Apotheken zukunftsfest, rät Lerncoach Andreas Hensing. / © PZ/Daniela Hüttemann
Neue Arzneistoffe, neue Dienstleistungen, neue Software: Man lernt nie aus, das gilt auch für alle Apothekenberufe. »Es ist nicht die Frage, ob sich Ihre Apotheke verändern muss, sondern wie schnell sie es kann, wenn die Welt sich drumherum immer schneller dreht«, sagte Andreas Hensing, Pädagoge und Lerncoach, in einem Vortrag zum lebenslangen Lernen bei der gestrigen Mitgliederversammlung der Apothekerkammer Hamburg.
Derzeit änderten sich grundlegende Rahmenbedingungen gleichzeitig:
»Veränderungen müssen daher Teil des normalen Betriebs sein«, betonte Hensing. Es reiche nicht, einmal im Jahr eine Fortbildung zu besuchen und sich ein Zertifikat an die Wand zu hängen. Stattdessen müsse Lernen jeden Tag und in kleinen Schritten stattfinden. »Lernen ist kein Ereignis, es ist ein Betriebszustand«, brachte der Speaker und Buchautor es auf den Punkt. »Wichtig ist, dass Sie heute etwas können, das Sie gestern noch nicht konnten. Und morgen etwas, das Sie heute noch nicht können.«
Und damit das passieren kann, brauche es eine entsprechende Lernkultur im Unternehmen. Fünf Minuten am Tag würden reichen, damit die eine Kollegin von ihrer letzten Fortbildung berichtet, die andere, welchen Shortcut sie in der Software gefunden hat, und der Dritte eine Idee vorstellt, wie man einen Ablauf verbessern kann.
»Fachliche Kompetenz und Weiterbildung sind dabei unverzichtbar, lösen die Probleme aber nur zum Teil«, so Hensing. Nicht die Zahl der Seminare sei entscheidend, sondern was und wie es danach in der Apotheke auch umgesetzt wird.
Es sei Sache des Inhabers oder der Inhaberin, einen entsprechenden Rahmen zu schaffen. Dazu gehört, dass jeder im Team Ideen einbringen kann und auch Zeit und Raum dafür bekommt, sie auszuprobieren. Vor allem müssen auch Fragen und Fehler erlaubt sein. Dabei komme es auf die Reaktion von Kolleginnen und Chefs an. Nicht »Das weißt du nicht?«, sondern »Lass es uns gemeinsam anschauen«; nicht »Wer hat den Fehler verursacht?«, sondern »Wie ist das passiert und wie können wir es in Zukunft verhindern?«. Kein »Das haben wir schon immer so gemacht«, sondern »Wie könnte es besser funktionieren?«. Eine solche Lern- und Fehlerkultur entstehe meist nicht von allein, sondern müsse aktiv gefördert werden.
Wichtig sei auch, die Stärken und Interessen der einzelnen Mitarbeitenden zu benennen und zu nutzen, ob Approbierte, PTA oder PKA. »Nehmen Sie Ihr Team mit in die Verantwortung und lassen Sie es neue Dinge ausprobieren.«
»Die Zukunft gehört nicht den Apotheken, die heute am meisten wissen. Sie gehört den Apotheken, die morgen am schnellsten lernen«, sagte Hensing. »Wir müssen jetzt noch nicht wissen, wie die Apotheke 2030 aussieht, aber die Menschen müssen veränderungsbereit sein. Das ist unternehmerische Zukunftsvorsorge.«