Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Veränderungen meistern
-
Eine gute Lernkultur in der Apotheke etablieren

Derzeit kommen viele neue Aufgaben auf die Apotheken zu. Jeder einzelne Mitarbeiter ist gefragt, sich damit auseinanderzusetzen, aber es ist Chefsache, eine Lernkultur in der eigenen Apotheke zu etablieren.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 11.09.2026  11:00 Uhr

Neue Arzneistoffe, neue Dienstleistungen, neue Software: Man lernt nie aus, das gilt auch für alle Apothekenberufe. »Es ist nicht die Frage, ob sich Ihre Apotheke verändern muss, sondern wie schnell sie es kann, wenn die Welt sich drumherum immer schneller dreht«, sagte Andreas Hensing, Pädagoge und Lerncoach, in einem Vortrag zum lebenslangen Lernen bei der gestrigen Mitgliederversammlung der Apothekerkammer Hamburg.

Derzeit änderten sich grundlegende Rahmenbedingungen gleichzeitig:

  1. Die Kunden: Die Bevölkerung altert – in den kommenden zehn Jahren werden drei Millionen mehr Über-65-Jährige in Deutschland leben. »Das heißt mehr Erkrankungen, mehr Medikamente, mehr Beratungsbedarf«, so Hensing.
  2. Die Rolle der Apotheken: »Impfen, Prävention, Blutdruckmessungen – das ist jetzt schon Ihr Alltag und wird zunehmend eine Rolle spielen«, glaubt der Lernexperte. »Das ist Chance und Herausforderung zugleich. Neue Aufgaben bedeuten auch neue Abläufe, Kompetenzen und Technik.« Das Ganze müsse gelernt werden, »während der Laden weiterläuft«.
  3. Der Wettbewerb: Hensing verwies auf die wachsenden Umsatzanteile des Versandhandels. »Die Apotheke muss beweisen, was sie besser kann.«
  4. Die Technik: Durch künstliche Intelligenz verändere sich auch der Zugang zu Wissen. »Wichtiger wird der Umgang damit, das Überprüfen, Einordnen und Entscheiden«, glaubt Hensing.
  5. Das Personal: Der Anteil der arbeitenden Bevölkerung nimmt ab. Es steht weniger Personal zur Verfügung, um die Arbeit zu bewältigen. »Wir können nicht für jede neue Aufgabe neue Stellen schaffen.«

»Lernen ist kein Ereignis, es ist ein Betriebszustand«

»Veränderungen müssen daher Teil des normalen Betriebs sein«, betonte Hensing. Es reiche nicht, einmal im Jahr eine Fortbildung zu besuchen und sich ein Zertifikat an die Wand zu hängen. Stattdessen müsse Lernen jeden Tag und in kleinen Schritten stattfinden. »Lernen ist kein Ereignis, es ist ein Betriebszustand«, brachte der Speaker und Buchautor es auf den Punkt. »Wichtig ist, dass Sie heute etwas können, das Sie gestern noch nicht konnten. Und morgen etwas, das Sie heute noch nicht können.«

Und damit das passieren kann, brauche es eine entsprechende Lernkultur im Unternehmen. Fünf Minuten am Tag würden reichen, damit die eine Kollegin von ihrer letzten Fortbildung berichtet, die andere, welchen Shortcut sie in der Software gefunden hat, und der Dritte eine Idee vorstellt, wie man einen Ablauf verbessern kann.

»Fachliche Kompetenz und Weiterbildung sind dabei unverzichtbar, lösen die Probleme aber nur zum Teil«, so Hensing. Nicht die Zahl der Seminare sei entscheidend, sondern was und wie es danach in der Apotheke auch umgesetzt wird.

Chefsache: ein offenes Umfeld schaffen

Es sei Sache des Inhabers oder der Inhaberin, einen entsprechenden Rahmen zu schaffen. Dazu gehört, dass jeder im Team Ideen einbringen kann und auch Zeit und Raum dafür bekommt, sie auszuprobieren. Vor allem müssen auch Fragen und Fehler erlaubt sein. Dabei komme es auf die Reaktion von Kolleginnen und Chefs an. Nicht »Das weißt du nicht?«, sondern »Lass es uns gemeinsam anschauen«; nicht »Wer hat den Fehler verursacht?«, sondern »Wie ist das passiert und wie können wir es in Zukunft verhindern?«. Kein »Das haben wir schon immer so gemacht«, sondern »Wie könnte es besser funktionieren?«. Eine solche Lern- und Fehlerkultur entstehe meist nicht von allein, sondern müsse aktiv gefördert werden.

Wichtig sei auch, die Stärken und Interessen der einzelnen Mitarbeitenden zu benennen und zu nutzen, ob Approbierte, PTA oder PKA. »Nehmen Sie Ihr Team mit in die Verantwortung und lassen Sie es neue Dinge ausprobieren.«

»Die Zukunft gehört nicht den Apotheken, die heute am meisten wissen. Sie gehört den Apotheken, die morgen am schnellsten lernen«, sagte Hensing. »Wir müssen jetzt noch nicht wissen, wie die Apotheke 2030 aussieht, aber die Menschen müssen veränderungsbereit sein. Das ist unternehmerische Zukunftsvorsorge.«

Mehr von Avoxa