| Theo Dingermann |
| 10.03.2026 16:20 Uhr |
Neben der Analyse sozialer Ungleichheiten fasst die Arbeit auch den aktuellen Forschungsstand zu gesundheitlichen Effekten körperlicher Aktivität jenseits kardiometabolischer Erkrankungen zusammen. Danach zeigen mechanistische und epidemiologische Studien, dass regelmäßige Bewegung das Immunsystem stärkt. Körperliche Aktivität verbessert unter anderem die Immunüberwachung, fördert eine günstigere Immunzellzusammensetzung und reduziert chronische Entzündungsprozesse.
Zudem belegt die umfangreiche Studienlage einen präventiven und therapeutischen Effekt körperlicher Aktivität bei Depressionen. Eine Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien mit mehr als zwölf Millionen Personenjahren zeigte, dass bereits die Hälfte des empfohlenen Aktivitätspensums mit einem um 18 Prozent geringerem Depressionsrisiko verbunden ist, während sich bei Erreichen der WHO-Empfehlungen das Risiko um etwa 25 Prozent reduziert.
Schließlich belegen Studien deutliche Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und Krebsprävention sowie Überlebensraten bei Krebserkrankungen. Eine hohe körperliche Aktivität resultiert in einem etwa 10 bis 20 Prozent niedrigeren Risiko für mehrere Tumorarten, darunter Brust-, Darm- und Endometriumkarzinome. Auch bei bereits diagnostizierten Krebserkrankungen ist Aktivität mit einer besseren Prognose verbunden.
Auf Basis dieser Ergebnisse schlagen die Forschenden eine Neukonzeption der Rolle körperlicher Aktivität im öffentlichen Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts vor. Im Zentrum steht der Begriff »physical activity for health and wellbeing«. Darunter verstehen die Forschenden körperliche Aktivitäten, die unter sicheren, freiwilligen und würdevollen Bedingungen möglich sind und ganzheitlich die Gesundheit fördern. Dies ist eine klare Abgrenzung von Aktivitäten, die unter gesundheitsschädlichen oder ökonomisch erzwungenen Bedingungen erfolgen, wie dies für gefährliche körperliche Arbeit gilt.
Vorgeschlagen wird demnach ein Modell, das soziale Determinanten von Gesundheit, politische Rahmenbedingungen sowie planetare Faktoren wie Klimawandel integriert. Öffentliche Gesundheitsstrategien, so die Forschenden, sollten nicht nur individuelle Bewegung fördern, sondern auch gerechte Zugänge zu sicheren Bewegungsräumen und aktiver Mobilität schaffen.