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Multiresistente Tuberkulose

Ein schnellerer Weg zur wirksamen Therapie

Will man eine multiresistente Tuberkulose erfolgreich behandeln, muss geklärt sein, gegen welche Antibiotika die Mykobakterien resistent sind. Die Anzucht der Bakterien und die Labortestung sind zeitaufwendig. Nun wurde ein Weg per Genomanalyse vorgeschlagen, der einen schnelleren Therapiebeginn verspricht.
Sven Siebenand
29.04.2021  15:54 Uhr

Erkrankt ein Patient an multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB), ist zu klären, auf welche Medikamente die Erreger überhaupt noch ansprechen. Ärzte benötigen dafür bislang Ergebnisse der Medikamententestung nach Anzucht der Bakterien. Das Problem: Das Mycobacterium tuberculosis wächst nur sehr langsam. So können mehrere Wochen vergehen, bis die Bakterien im Labor anwachsen, und oft gehen ein bis zwei Monate ins Land, bevor die Wirksamkeit der einzelnen Medikamente getestet werden kann. Folglich verzögert sich der Start einer wirksamen Therapie.

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in Braunschweig weist nun auf die Ergebnisse einer Arbeit um Erstautor Hans-Peter Grobbel vom DZIF hin, die in »Clinical Infectious Diseases« publiziert wurde. Darin ist beschrieben, dass die Forschenden einen Katalog aller Mutationen im Erbgut der Tuberkulosebakterien erstellt haben und sie auf dieser Basis mittels einer Genomsequenzierung schnell und kostengünstig vorhersagen können, welche Medikamente für die Behandlung am effektivsten sind.

Eine Eigenschaft des Tuberkulose-Erregers half bei der Erstellung des Mutationskatalogs: Im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien verändert sich das Erbgut vom Mycobacterium tuberculosis kaum über die Zeit. Nachdem dieser Arbeitsschritt erledigt war, haben Grobbel und Mitarbeiter die Ergebnisse der Vorhersagen von Antibiotikaresistenzen durch Gesamt-Genomanalysen untersucht. An Tuberkulosebakterien von 70 Patientinnen und Patienten mit einer MDR-TB verglichen sie die molekulare Vorhersage der Antibiotikaresistenzen mit denen der tatsächlichen kulturellen Testergebnisse.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. »99 Prozent aller Medikamente in Kombinationstherapien, die wir basierend auf den Ergebnissen der molekularen Vorhersagen aus der Erbsubstanz der Tuberkulosebakterien zusammengestellt haben, sind nach den Ergebnissen der traditionellen mikrobiologischen Antibiotikaresistenz-Testung auch wirksam«, so Grobbel. Die molekularen Verfahren seien inzwischen preisgünstig und schnell. Idealerweise könnten Betroffene so bereits in der ersten Woche nach Diagnosestellung eine maßgeschneiderte MDR-TB-Therapie erhalten.

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