| Alexandra Amanatidou |
| 30.09.2026 18:20 Uhr |
Bei der Veranstaltung »Made for Germany« lobte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die moderne Medizintechnik und den gesamten medizinischen Bereich. / © Imago/dts Nachrichtenagentur
Ein Jahr nach ihrer Gründung fand heute in Berlin die Jahresbilanz der Initiative »Made for Germany« statt. Die Mitglieder der Initiative wollen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stärken und die Umsetzung notwendiger Strukturreformen unterstützen. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem die Pharmaunternehmen Bayer, Beiersdorf, Boehringer Ingelheim und Covestro sowie das Universitätsklinikum Charité.
Die Initiative wirbt damit, dass ihre Mitglieder ihre Investitionsabsichten laut einer aktuellen Umfrage um einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag erhöht haben. Den eigenen Angaben zufolge belaufen sich die gesamten Investitionspläne für die Jahre 2025 bis 2028 aktuell auf über 850 Milliarden Euro.
Dennoch zog Boehringer Ingelheim, eines der Mitglieder, im März dieses Jahres Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro aus Rheinland-Pfalz zurück. Diese wollte der Konzern nun in anderen Weltregionen investieren. Boehringer Ingelheim machte damals unter anderem die Sparpläne der Bundesregierung und den Druck aus den USA dafür verantwortlich.
Auch das Pharmaunternehmen Eli Lilly zog im gleichen Zeitraum seine Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 2,06 Milliarden Euro) zurück und begründete diesen Schritt mit den Sparplänen der Regierung.
Bei der Jahresbilanz waren sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als auch Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) dabei.
»In diesem Raum sitzt Zuversicht, hier in diesem Raum sitzt Optimismus, hier in diesem Raum sitzt auch Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland«, lobte Merz. »Wir sind, das sage ich ganz offen und ehrlich, noch nicht da, wo wir in der Bundesregierung sein wollten«, sagte der Kanzler und fügte hinzu: »Aber wir haben einiges auf den Weg gebracht, und dass Sie dabei bleiben, dass sich diese Initiative so gut entwickelt, dass Made for Germany wirklich eine Marke geworden ist, das ist ein starkes Signal, das auch mir persönlich Mut macht.«
Merz lobte auch die moderne Medizintechnik und den gesamten medizinischen Bereich. »Ich habe dem neuen Bundesgesundheitsminister gesagt: Du übernimmst hier nicht nur ein großes Aufgabengebiet in der sozialen Sicherung, sondern du übernimmst die Zuständigkeit für den am schnellsten wachsenden Sektor unserer Volkswirtschaft«, so der Kanzler. »Angefangen von der Geburtshilfe über die gesamte Wertschöpfungskette der medizinischen Versorgung bis hin zur Betreuung in Alten- und Pflegeheimen.« Der Gesundheitssektor werde immer nur als Kostenfaktor gesehen, dabei sei er auch »ein Wirtschaftsfaktor«.
Klingbeil plädierte für ein »selbstbewusstes, resilientes und erfolgreiches Deutschland«. Im vergangenen Jahr habe es mit der Initiative intensive Gespräche gegeben. »Wir sehen gerade, es passiert was in Deutschland. Wir sehen, dass die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für das Wachstum nach oben korrigieren«, so der Finanzminister.
Er bezeichnete das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie die öffentlichen Investitionen als derzeit größte Wachstumstreiber im Land. Der eigentliche Fokus müsse dennoch auf privaten Investitionen liegen. »Aber wir müssen noch besser werden, die Rahmenbedingungen für private Investitionen in unserem Land zu verbessern«, so Klingbeil.
Auch die Pharmaindustrie wirbt bereits seit Langem für bessere Rahmenbedingungen. Knapp ein Jahr ist es her, dass sich die Vertreterinnen und Vertreter der Branche im Kanzleramt zum Pharmadialog getroffen haben. Dieser sollte eigentlich in eine Pharmastrategie münden. Bislang ist jedoch wenig passiert.
Bereits Anfang des Jahres warnten fünf Pharma- und Biotechnologieverbände in einem Brief an die damalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor »epochalen Problemlagen« angesichts globaler Herausforderungen. Zudem forderten sie einen ganzheitlichen, ressortübergreifenden Ansatz.
Gleichzeitig wurden Schließungen von Pharmaunternehmen angekündigt. So will der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) seinen Standort in Dresden bis 2028 schließen. Auch Biontech wird 2027 und 2028 drei Standorte in Deutschland schließen. Insgesamt sind rund 1800 Beschäftigte betroffen.