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Neues Wirkprinzip

Ein Kinasehemmer bei Morbus Parkinson

Vom baskischen Wort für Zittern ist der Name der Kinase Dardarin abgeleitet. Ein Hemmer dieses Enzyms könnte eines Tages bei Morbus Parkinson zum Einsatz kommen. Präklinische und erste klinische Daten sind vielversprechend.
Sven Siebenand
09.06.2022  09:06 Uhr

Ein anderer Name für die Dardarin-Kinase lautet Leucine-Rich Repeat Kinase 2 (LRRK2). Das Enzym ist beim Menschen in vielen Geweben vorhanden, in besonders hoher Menge aber in dopaminsensiblen Bereichen des Gehirns. Mutationen im Gen für LRRK2 sind die häufigsten genetischen Risikofaktoren für Morbus Parkinson, heißt es in einer Publikation in »Science Translational Medicine«. Ein Team um Dr. Danna Jennings von Denali Therapeutics informiert darin ferner, dass angenommen wird, dass eine erhöhte Dardarin-Kinase-Aktivität die lysosomale Funktion beeinträchtigt und dies zur Pathogenese von Morbus Parkinson beitragen kann.

Zunächst wurde der ZNS-gängige LRRK2-Inhibitor DNL201 in Zellmodellen getestet. Das Ergebnis: Die lysosomale Funktion kranker Zellen konnte wieder verbessert werden. Wurde DNL201 Makaken über 28 Tage in pharmakologisch relevanten Dosierungen verabreicht, fand man anschließend keine Sicherheitsrisiken. Es folgten erste klinische Tests. In einer Studie der Phase I/Ib wurde DNL201 gut vertragen, wenn es 122 gesunden Menschen und 28 Patienten mit Morbus Parkinson verabreicht wurde. Zudem hat der Wirkstoffkandidat laut Jennings und Kollegen das Potenzial, LRRK2 im Blut zu verringern.

Bis es soweit ist, dass ein LRRK2-Hemmer in der Praxis bei Morbus Parkinson zum Einsatz kommen kann, sind zweifelsohne noch viele weitere Studien durchzuführen. Interessant und vielversprechend dürfte dieser Ansatz allemal sein – spätestens seit Publikation dieser Ergebnisse.

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