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Reportage

Echtes Teamwork im Impfzentrum

Kapazität könnte deutlich erhöht werden

Derzeit wird nur einer von zwei Herstellungscontainern genutzt und auch nur die Hälfte der neun Impfstraßen. Wenn mehr Impfstoffdosen zur Verfügung stehen, können die Kapazitäten hochgefahren werden – von derzeit 360 verimpften Dosen Comirnaty und (bis zum Impfstopp) 560 Dosen Astra-Zeneca-Vakzine auf bis zu 2400 Impflinge pro Tag. Genügend freiwillige pharmazeutische Mitarbeiter, die sich über ein speziell eingerichtetes Portal der Apothekerkammer gemeldet haben, stünden jedenfalls bereit.

Das Impfzentrum arbeitet seit dem 8. Februar, seit letzter Woche im Zweischichtbetrieb. Geimpft wird sieben Tage die Woche zwischen 8:00 Uhr morgens und 20:00 Uhr abends. Zwei pharmazeutische Teams stehen für die Vorbereitung des Biontech-Impfstoffs von 7:00 bis 13:00 Uhr und 13:00 bis 20:00 Uhr bereit. Diese Vakzine erhalten in Münster derzeit nur die Über-80-Jährigen.

Zusätzlich wurde bis vor Kurzem der Impfstoff von Astra-Zeneca verimpft, den die sogenannten besonders begründet Impfberechtigten, vor allem Berufsberechtigte wie Polizistinnen, Grundschullehrer und Erzieher,  bekommen sollen. Auch Apothekenpersonal, das in ausgewiesenen Testzentren mit der Durchführung von Corona-Tests beauftragt ist, kann sich hier in Zukunft impfen lassen.

Viele Vordrängler und Bestechungsversuche

Dazu gibt es bereits bei der Anmeldung am Eingang des Kongresszentrums separate Schalter. Zunächst erfolgt eine Sicherheitskontrolle sowie die Prüfung der Impfberechtigung und der Voranmeldung, was hier momentan vor allem derzeit von Kurzarbeit betroffene Reisebüromitarbeiter übernehmen. Dann erhalten die Impflinge und gegebenenfalls ihre Begleiter eine Dokumentenmappe mit Aufklärungsbögen und verschiedene Bänder. »Damit kein Unberechtigter sich eine Impfung erschleicht«, erklärt Berufsfeuerwehrmann Jörg Rosenkranz, Einsatzleiter und Mitglied der Geschäftsführung, bei einem Rundgang. »Wir hatten hier schon ein ganzes Praxisteam aus Dortmund, das es einfach mal versucht hat. Manche haben es zwar auch mit einem Trick geschafft, über das Vergabesystem an einen Termin zu kommen, scheitern aber dann spätestens am Ankunftsschalter, wenn sie keine echte Berechtigung haben.«

Auch Bestechungsversuche von Begleitpersonen kämen regelmäßig vor, daher dürfen diese mittlerweile nicht mehr mit in die Impfkabinen. Hier erhalten die älteren Menschen den vom pharmazeutischen Team vorbereiteten Biontech-Impfstoff, den das Sicherheitspersonal im Apothekencontainer abholt. Zuvor hat Brüning dort die sieben aufgezogenen Spritzen einer Ampulle in eine sorgfältig mit Schaumstoff gepolsterte Kiste gelegt, samt Aufklebern mit Charge für Impfausweis und ärztliche Dokumentation. Auf jeder Kiste sind eine interne Chargennummer, der Zeitpunkt der Verdünnung sowie in Rot die Aufbrauchfrist vermerkt.

Den Astra-Zeneca-Impfstoff holten sich die medizinischen Mitarbeiter dagegen bislang selbst aus dem Apothekenkühlschrank, was die Apotheker ebenfalls sorgfältig dokumentierten. Medizinische Fachangestellte, Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärzte zogen diesen Impfstoff dann selbst in den Impfkabinen auf und verimpften direkt. Sie bekommen in der Regel zwölf Dosen pro Ampulle heraus, wobei offiziell zehn Dosen deklariert sind. 

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