| Theo Dingermann |
| 15.10.2026 07:00 Uhr |
Die beobachtete Kreuzreaktivität war bemerkenswert. Während 16 der 20 Geimpften (80 Prozent) eine spezifische T-Zell-Antwort gegen das Glykoprotein von EBOV entwickelten, reagierten 13 Teilnehmer (65 Prozent) auch auf das Glykoprotein von BDBV. Gegen SUDV ließ sich dagegen nur bei sieben Personen (35 Prozent) eine entsprechende Immunantwort nachweisen. Die Reaktionen gegen EBOV und BDBV waren gegenüber den ungeimpften Kontrollen statistisch signifikant erhöht (p = 0,0009 beziehungsweise p = 0,0041). Für SUDV erreichte der Unterschied keine statistische Signifikanz.
Auch die Stärke der Immunantwort unterschied sich zwischen den Viren. Die mediane Häufigkeit interferonproduzierender T-Zellen betrug für EBOV 28 und für BDBV 16 sogenannte Spot-forming Cells pro Million mononukleärer Zellen des peripheren Blutes. Für SUDV lag der entsprechende Wert bei lediglich acht.
Bemerkenswert war zudem, dass die Stärke der EBOV-spezifischen und der BDBV-spezifischen T-Zell-Antwort deutlich miteinander korrelierte. Personen mit einer ausgeprägten Immunantwort gegen das Impfstoffantigen zeigten somit häufig auch eine stärkere Reaktivität gegenüber dem Bundibugyo-Virus.
Die molekulare Grundlage dieser Kreuzreaktivität liegt vermutlich in konservierten Aminosäuresequenzen der viralen Glykoproteine. Obwohl die Glykoproteine von EBOV und BDBV nur zu 66,3 Prozent identisch sind, enthalten sie mehrere strukturell konservierte Regionen. Die Forschenden identifizierten solche Sequenzabschnitte durch vergleichende Sequenzanalysen und stellten daraus fünf Pools überlappender Peptide her. Tatsächlich reagierten die T-Zellen von jeweils vier bis sechs der 20 Geimpften auf diese Peptidpools. Damit konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Impfung Immunantworten gegen mehrere konservierte Bereiche des viralen Glykoproteins induziert.
Diese Beobachtung ist immunologisch bedeutsam. Während neutralisierende Antikörper häufig stark von der dreidimensionalen Struktur einzelner Oberflächenepitope abhängen, erkennen T-Zellen kurze, durch HLA-Moleküle präsentierte Peptidsequenzen. Konservierte T-Zell-Epitope können deshalb auch bei stärker divergierenden Viren erhalten bleiben und eine Kreuzreaktivität ermöglichen.