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Düsseldorfer Patient

Dritter Mensch von HIV geheilt?

Möglicherweise ist mit dem «Düsseldorfer Patienten» ein dritter Mensch von HIV geheilt worden. Nach einer speziellen Stammzelltransplantation sei bei dem Mann das HI-Virus aktuell nicht nachweisbar, teilte die Universität Düsseldorf mit. Allerdings sei es noch zu früh, um von einer Heilung zu sprechen.
PZ/dpa
07.03.2019
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Der Patient habe erst vor dreieinhalb Monaten Medikamente abgesetzt, die die Vermehrung des HI-Virus unterdrücken. Der Fall wurde bislang nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert. Die angewendete Therapie kommt nur unter sehr speziellen Bedingungen für HIV-Infizierte in Frage. Zuvor hatten andere Medien über den Fall berichtet.

Vor wenigen Tagen wurde im Fachblatt «Nature» über einen ähnlichen Fall berichtet: In London waren einem HIV-Infizierten wegen einer Art Lymphdrüsenkrebs ebenfalls Stammzellen mit einer seltenen Mutation im CCR5-Gen transplantiert worden – sie macht den Spender und in der Folge auch den Transplantierten immun gegen bestimmte Formen des HI-Virus. Der sogenannte «Londoner Patient» war eineinhalb Jahre nach Absetzen der HIV-Medikamente noch virenfrei. Beide Fälle waren auf einer Fachkonferenz in Seattle vorgestellt worden.

Die Stammzelltransplantation war auch beim «Düsseldorfer Patienten« wegen einer Form von Blutkrebs notwendig geworden. Die Konstellation war laut Uniklinik vergleichbar. Im Unterschied zum Londoner Patienten erhielt der Düsseldorfer seine antiretrovirale Therapie nach der Stammzelltransplantation noch länger, auch weil zunächst ein Leukämie-Rezidiv behandelt werden musste. Der Patient wird nun weiterhin überwacht. Dies sei noch über einen längeren Zeitraum nötig, um von einer Heilung sprechen zu können.

Der erste Fall dieser Art war der sogenannte «Berliner Patient», bei dem eine ähnliche Behandlungsmethode 2007 in Berlin erfolgreich war. «Die aktuellen Therapieerfolge zeigen uns wichtige Mechanismen der Funktionsweise der HIV-Infektion und eventuelle künftige Therapieansätze«, sagte Professor Dr. Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Eine Stammzelltransplantation zur HIV-Heilung werde aber auch in Zukunft wohl nur im Einzelfall in Betracht kommen, allein schon weil ein passender Spender mit der seltenen Mutation erst einmal gefunden werden muss und die Nebenwirkungsgefahr groß ist.

Im sogenannten IciStem-Programm sind derzeit 39 HIV-positive Krebspatienten verzeichnet, die eine CCR5-negative Stammzelltransplantation erhalten haben. Bislang wurden weltweit 22.000 potenzielle Spender mit CCR5delta32-Gendefekt identifiziert.

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