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Drug Repurposing

Drei Treffer bei Screening für Covid-19-Medikamente

US-Forscher haben ein Lungen- und ein Darmmodell entwickelt, um bereits zugelassene Arzneistoffe auf ihre Hemmwirkung auf das SARS-Coronavirus-2 zu prüfen – und wurden dreimal fündig.
Daniela Hüttemann
28.10.2020  15:36 Uhr

Eine Hoffnung auf relativ schnell verfügbare Medikamente gegen Covid-19 liegt in der Umwidmung bereits zugelassener Arzneistoffe, die vor einer SARS-CoV-2-Infektion schützen oder deren Verlauf abmildern könnten. Ein solcher Vorgang wird als Drug Repurposing bezeichnet. Bereits seit Pandemiebeginn screenen Forscher weltweit daher Substanz-Datenbanken in verschiedenen, teils sehr unterschiedlichen Assays auf ihr antivirales Potenzial. Ein Kritikpunkt dabei ist, dass manch ein Wirkstoff im Versuch zwar stark virushemmend wirkt, der klinische Effekt aber oft nicht voraussagbar ist. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das verwendete Zellmodell das SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen nur unzureichend darstellt, weil etwa statt menschlicher Lungenepithelzellen für das Screening Nierenzellen vom Hamster genommen werden.

Mittlerweile weiß man, dass das neue Coronavirus nicht nur die Lunge befällt, sondern eine Vielzahl von Organen, darunter auch den Darm. Letzteres erklärt, warum 25 Prozent der symptomatischen Covid-19-Patienten auch Magen-Darm-Probleme haben, die mit einer schlechteren Prognose verbunden sind. Forscher um Shuibing Chen von der Weill Cornell Medicine in New York haben nun aus pluripotenten menschlichen Stammzellen sogenannte Organoide gezüchtet, einmal ein Lungenmodell mit Alveolarzellen vom Typ 2 sowie ein Darmmodell mit Enterozyten, den Zellen der Darmschleimhaut. Beide Zelltypen exprimieren ACE2 auf ihrer Oberfläche – den Rezeptor, den SARS-CoV-2 zum Andocken an die Wirtszelle braucht.

Genau diesen Prozess sollen Arzneistoffe hemmen. Im Organoid-Modell erwiesen sich laut der in »Nature« erschienenen Studie das Krebsmittel Imatinib, das Antibiotikum und Immunsuppressivum Mycophenolsäure sowie das Malariamittel Mepacrin (Quinacrindihydrochlorid) als wirksam. »Die Behandlung mit diesen Arzneimitteln in physiologisch relevanten Mengen vor oder nach der SARS-CoV-2-Infektion verhinderte die Infektion sowohl von Lungen- als auch von Dickdarm-Organoiden, die in humanisierte Mäuse implantiert wurden«, berichten die Autoren.

Laut Studienregister laufen bereits vier klinische Studien mit Covid-19-Patienten. Die experimentellen Daten ihrer Studie untermauern die Rationale dieser Untersuchungen, so die Autoren um Chen.

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