| Laura Rudolph |
| 14.04.2026 18:00 Uhr |
Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Antibiotikatherapie bei einer Lungenentzündung relativ kurz ausfallen. / © Getty Images/Aleksandr Zubkov
Vor fünf Jahren zeigte eine im Fachjournal »The Lancet« veröffentlichte Studie, dass zur Behandlung einer ambulant erworbenen Pneumonie eine dreitägige Antibiose unter bestimmten Voraussetzungen ausreichen kann. Sie war einer achttägigen Therapie nicht unterlegen.
Nun haben Forschende aus den USA anhand von Real-World-Daten untersucht, wie sicher und effektiv das verkürzte Therapieschema im Vergleich zu einer mindestens fünftägigen Antibiotikabehandlung in der Versorgungsrealität ausfällt. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich Kurzzeit- und Standardtherapie nur geringfügig hinsichtlich Wirksamkeit und Komplikationen unterscheiden. Jedoch erhielt nur ein sehr kleiner Teil der beobachteten Patienten die verkürzte Behandlung. Die Ergebnisse der Studie sind kürzlich im Fachjournal »Annals of Internal Medicine« erschienen.
Ein Team um Dr. George Doumat vom UT Southwestern Medical Center in Dallas, Texas, analysierte die Daten von 55.517 Erwachsenen (Durchschnittsalter 68,2 Jahre), die zwischen 2017 und 2024 wegen einer ambulant erworbenen Lungenentzündung in einem von 67 Krankenhäusern im US-Bundesstaat Michigan behandelt wurden. 5620 von ihnen (10,1 Prozent) erfüllten nach dreitägiger antibiotischer Behandlung die medizinischen Bedingungen für eine Beendigung der Therapie, die 2007 unter anderem von der Infectious Diseases Society of America (IDSA) festgelegt wurden. Dazu zählen etwa:
Zu den Ausschlusskriterien zählen komplizierte Pneumonien, zusätzliche antibiotikapflichtige Infektionen, Immunsuppression oder der Nachweis intrazellulärer oder kritischer Erreger wie Legionellen in der Lunge.
Allerdings erhielten nur 444 von den 5620 Patienten, die nach diesen Kriterien für eine verkürzte Antibiose von drei bis vier Tagen infrage kamen, diese auch tatsächlich (7,9 Prozent), der Rest eine mindestens fünftägige Behandlung. Die mediane Therapiedauer betrug sieben Tage.
Die Auswertung ergab eine vergleichbare Mortalität nach 30 Tagen, die nach kürzerer Behandlung sogar 11 Prozent niedriger ausfiel als nach längerer (relatives Risiko: 0,89); ebenso war das Risiko für das Aufsuchen einer Notaufnahme etwas geringer (relatives Risiko: 0,94). Dagegen hatten Patienten, die maximal vier Tage mit Antibiotika therapiert wurden, ein 7 Prozent höheres Risiko für eine erneute Hospitalisierung als nach längerer Behandlung. Das Risiko für eine Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile war in beiden Gruppen nahezu gleich (1 Prozent höher bei Kurztherapierten).
Insgesamt sprechen diese Ergebnisse dafür, dass eine drei- bis viertägige Antibiose bei klinisch stabilen Patienten mit einer unkomplizierten Pneumonie ähnlich sicher und effektiv ist als eine längere. Als Limitationen benennen die Autoren die relativ geringe Zahl der Patienten, die verkürzt behandelt wurden, sowie mögliche Verzerrungen durch nicht kontrollierbare Störfaktoren.